Tech Spotting, Trix

WinOnMac, WinInMac, what the heck…

16. March 2007 von schmidt9

Seit dem der Mac – dank Intel-Architektur – nun doch fast ein PC ist und Mac-Anwender zwischen einer handvoll Optionen wählen können, Windows auch auf ihrem Apfelrechner zu installieren, ist die Häme der Windows-PC-Nutzer mehr oder weniger stillem Neid gewichen. Keine andere Hardware-Plattform erlaubt die Installation so vieler verschiedener Betriebssysteme neben- und in-einander.
Nach dem Report von macnews.de hier nun meine persönlichen Erfahrungen:

Der Artikel beschreibt zum einen die Möglichkeit, mithilfe Apples Software- und Treiberpaket ›BootCamp‹ Windows auf einem eignenen Teil der Festplatte laufen zu lassen. Zum anderen beschäftigt er sich mit der Möglichkeit, mit Hilfe der Virtualisierungslösung Parallels Desktop Windows als Gastbetriebssystem innerhalb von MacOS auszuführen.

Ich nutze auf einem 24″ Intel iMac mit 2 GB RAM im Alltagsbetrieb ca. 80% MacOS und daneben unter BootCamp Windows XP (gekauft, jupp!). XP in BootCamp dient zum Spielen und für anspruchsvolle Anwendungen, da hier die volle Leistung des Macs allein für Windows genutzt wird. Um den Mac mit seinem eigenen Betriebssystem weiterzubetreiben, muß ich Windows herunterfahren und Mac OS X neu starten. Windows 2000 Professional (auch legal!) sowie ein zur Entsorgung anstehendes Windows98 nutze ich unter Parallels Desktop parallel zum Mac OS. Den Parallels Desktop gabs für Frühbucher günstig für US$ 40, heute kostet er etwa 65 €.

In der Virtualisierung dient mir Windows 2000 mit MS Office zum Testen von Wordvorlagen und PowerPoint-Templates für Kunden, im Internet Explorer und Firefox sowie Opera prüfe und bug-fixe ich Webseitenfehlern, die unter Windows auftauchen. Dabei ist Windows 2000 Professional noch aktuell genug im Bezug auf den Treiber-Support und die Softwarekompatibilität, aber schlanker als XP. Daher läuft es in der Virtualisierung trotz reduzierter Priorität äußerst schnell und mit wenig RAM. Mit einem weiteren Windows 98 unter Parallels teste ich die Funktion von Webseiten unter Steinzeit-Bedingungen.

Parallels bietet eine interessante Option, Windows nahezu unsichtbar zu machen. ›Coherence‹ bzw. ›Kohärenz‹ ist eine Ansicht, bei der der Windows-Desktop komplett (optional sogar samt Taskleiste) ausgeblendet wird. Die Windows-Fenster schweben dann ganz brav über, unter und zwischen den Mac-Fenstern, die Programme tauchen im Dock und im Application Switcher auf und können sogar im Dock behalten werden, um sie ohne Aufruf des Windows-Startmenüs wieder auf den Plan zu rufen.
Texte lassen sich zwischen den Windows- und Macprogrammen über die Zwischenablage austauschen und die Fenster sind z.T. sogar Drag’n'Drop-fähig. Wer jetzt noch unter Windows ein MacOS-ähnliches GUI-mod installiert, kann die beiden Welten kaum noch unterscheiden (die Windows-Programmfenster haben noch keine Drop-Shadows und sehen halt wie Windows aus).
Legt man sich in Parallels den eigenen Nutzerordner von MacOS noch als Shared-Folder an, kann man in den Windows-Programmen über die Netzwerkumgebung schnell direkt aus seinen persönlichen Ordnern Dateien aufrufen bzw. speichern.

So ist der Mac für mich die ultimative Arbeitsmaschine geworden und den lästigen Zweit-PC habe ich verschrottet, denn selbst was MacOS nicht kann, kann ich nun auf der gleichen Maschine erledigen, vieles sogar parallel. Zum Daddeln ist der Mac zwar nur Mittelklasse – Hard-Core-Gamer werden mit der festverbauten Grafikkarte des iMac nicht glücklich (obwohl meine eine GeForce 7600 GT ist) – aber so heftig brauch ichs dann auch gar nicht….

Es gibt noch eine dritte Variante, die im Artikel leider nicht beleuchtet wird – einige Windows-Programme laufen unter der Open-Source-Umgebung ›wine‹ bzw. dessen kommerziellen MacOS-Ablegern ganz ohne Windows-Unterbau.
Wessen Anwendungen unter MacOS nicht verfügbar, aber unter wine lauffähig sind, kann über diese sehr preiswerte Alternative nachdenken. Allerdings ist Wine definitiv KEIN vollwertiger Windows-Ersatz, weil nicht alle APIs (Funktionsbibliotheken, die das Betriebssystem den Anwendungen für Standardaufgaben zur Verfügung stellt) komplett abgebildet werden.
Weniger Windows kann man nicht auf dem Mac haben, wenn man Windows-Programme ausführen will.

Was dem zitierten Beitrag ebenfalls fehlt ist der Verweis darauf, daß MacOS und Windows sich bei der Parallels Lösung den RAM teilen müssen. Zusätzlich zum RAM für den ›virtuellen‹ PC brauchen noch die Virtualisierungslösung selbst und der emulierte Videospeicher RAM. Verwendet man also speicherhungrige Programme, die auf Windows-Seite mehr als 512 MB RAM verlangen, sollten im Mac besser 2 GB RAM installiert sein. Für meine oben beschriebene Testkonfiguration braucht Windows dagegen nur 256 MB, Parallels verlangt daher nur um die 300 MB – die müssen frei sein, damit Windows ordentlich läuft. 1 GB RAM ist das daher das Minimum, 1,5 GB RAM sind eine solide Grundlage für die Virtualisierungslösung.

Zum Schluß eine Warnung

BootCamp ist Beta-Software, d.h. die von Apple zur Verfügung gestellten Treiber, um Windows XP auf dem Mac auszuführen, sind noch nicht 100% optimiert. So kann es kommen, daß die Funktionen, die unter MacOS perfekt funktionieren – wie die Temperaturregelung –noch nicht rundherum glatt laufen. Unter XP kann der Mac in BootCamp daher ziemlich heiß werden. Auch wenns beim Zocken gerade richtig spannend wird – riecht es nach heißem Staub, dann heißts nur noch »Kiste aus!« und SOFORT in MacOS booten, damit der Rechner wieder herunterkühlt. Sonst wird einem der Händler, dem man den frisch gegrillten IntelMac als Garantiefall vorsetzt nur sagen: »Beta Software – Installation at your own risk!«

Dies bedeutet auch, da es von Apple noch keine passenden Treiber für Vista gibt, daß trotz zusammengesuchter Treiber für Tastatur, Maus, Board und Grafik das Thermal Management ganz bestimmt nicht funktioniert – somit ist Vista unter BootCamp – auch wenn es hinzufummeln geht – keine gute Idee.

Nachtrag vom 19. April 2007
Mit vor kurzem aktualisierten neuen BootCamp-Version laufen nun noch mehr Hardwarekomponenten fehlerfrei mit WindowsXP und erste Treiber für Vista sind auch vorhanden – also BootCamp unbedingt aktualisieren.

Nachtrag vom 6. Juli 2007
Parallels hat Werbespots veröffentlicht, der sich stark an Apples ›Get a Mac‹-Kampagne anlehnt und unter dem Motto ›COEXIST‹ steht. »If PC and Mac can run side by side, people don’t have to choose.« – ebent ;-)

Viel Spaß beim Ansehen.

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