Tech Spotting

Silverlight – 2. Runde Microsoft vs. Adobe

14. Oktober 2008 von schmidt9

Erneut probiert es Microsoft, den Anschluß an einen Markt zu finden, dem sie zu lange fern geblieben sind. Selbst, oder besser: gerade Bill Gates hatte es versäumt, seinem proprietären Browser auch noch eine proprietäre Entwicklungsumgebung für Webinhalte zur Seite zu stellen. Die Erfolge alternativer Browser und nach wie vor erhebliche Unbeliebtheit des Betriebssystem-Monopolisten bei den Web-Entwicklern zeigte, daß die Erpressung der Entwickler mit dem Unwissen der Nutzer als Marktbeherrschungs-Strategie nicht funktioniert hat.

Im Bezug auf interaktive Webinhalte kam vor allem Macromedia mit Flash den Web-Ignoranten aus Redmond deutlich zu vor. Die Firma, 2005 – dank eines unstimmigen und veralteten Portfolios offensichtlich billig – zu haben lies sich vom direkten Mitbewerber Adobe aufkaufen. Während noch kurz zuvor Flash als Gadget der New Economy-Ära abgenutzt erschien, setzten just zu diesem Zeitpunkt neu gegründete und aufsteigende Portale wie YouTube auf die Video-Fähigkeiten und Interaktionsmöglichkeiten von Flash und verhalfen dem Produkt binnen kürzester Zeit zu einem ungeahnten und vehementen zweiten Aufschwung. Flash wurde zum ›Muß‹ auf fast jeden internetfähigen Computer. Erst einige Zeit danach – zu Hoch-Zeiten im zweiten Lebens von Flash – begann Microsoft, der Öffentlichkeit seine Alternative – Silverlight – zu präsentiern.

Heute präsentiert Microsoft die zweite Version. Okay, Konkurrenz belebt das Geschäft. Aber: darfs auch noch ein wenig mehr sein – mehr als nur die Implementierung einer fremden (JS, Python, Ruby) und vor allem auch eigener Programmiersprachen (C#, VB) und die Integration einer Funktion, die jetzt als große Leistung verkauft wird, als Zoomify aber schon lange als freies Plugin verfügbar war?
Silverlight ist eine spannende Entwicklungsumgebung, aber eben auch mit reichlich Ecken und Kanten wie der nur unter DirectX verfügbaren Hardware-Beschleunigung der Grafik, einer Entwiclungsumgebung, die nur unter Windows läuft etc.

Wenn Microsoft nicht nur die Nutzer verwirren und die Entwickler auf ein neues totes Pferd setzen möchte, sondern tatsächlich ein Gegenpol zu Adobes Monopol schaffen will, dann müssen sie noch ein paar Schritte weiter gehen als bis zum aktuellen Me-Too-Produkt.

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