Tech Spotting

Ruf 0800-Q-U-A-A-A-R-R-K!

15. February 2007 von schmidt9

Service und Support haben seit der Ära der Softwaremonopole bizarre Formen angenommen – der Bug-geplagte Käufer wählt sich per Auslandsgespräch in telefonische Irrgärten ein und muß sich dafür noch in einer akustischen Qualität volldudeln lassen, neben der selbst ein Volksempfänger wie eine HiFi-Anlage daherkommt. Für das Geld, das während dessen durch die Leitung rinnt, könnte man ganze Alben im iTunes-Store kaufen. Nun springt der langjährige Branchenprimus Quark aus der Deckung über das Geröll seiner eigenen Servicewüste und bietet für sein Paradepferd XPress, einst unangefochtener Platzhirsch unter den Satzprogrammen, kostenlosen Telefonsupport an – in vielen Ländern Europas und neben Englisch u.a. auch in Deutsch und Französisch. Schön – denke ich mir darbei – daß es wenigsten noch einen Anbieter gibt, der um seine Existenz kämpfen muß.

Ich erinner mich noch gut an Zeiten, als man in meinem damaligen Büro die Qarkdongle bei Updates ratenweise einschickte, weil die Rücksendung der neuen mehrere Wochen dauerte und man sonst ja nicht hätte arbeiten können…
Vorher gabs die Startdisketten, die regelmäßig weg oder verlegt waren und später bei den ganzen Aktivierungsnervereien war XPress auch ganz vorn.
Adobe und Macromedia haben sich immer schweigend angesehen, wenn ihre Programme irgendwo gezockt wurden. Das war sicher nicht schön, aber am Ende haben wohl doch genügend gekauft von denen, die das zuerst einmal bezahlt hatten. Schon früher munkelte man, daß bestimmte Cracks zur Aushebelung von Kopiersperren sogar mehr oder weniger direkt von den Softwareanbietern stammen, um so die Software bastelbegabten Jungnutzern quasi per viralem Marketing zugänglich zu machen. Bei Quark sah man das definitiv anders – jede Version legte dem Nutzer neue Hürden auf, um sein legal gekauftes Satzprogramm laufen zu lassen.

Jetzt entdeckt der einstige Primus des Desktop-Publishing den Service wieder und offeriert kostenlosen Telefonsupport. Diese Entwicklung empfinde ich als sehr interessant und gut für den Anwender – denn Quark XPress hat in den letzten Jahren (und Versionen) merklich an Funktionen zugelegt und ist tatsächlich wieder einen Blick wert. Jahrelang blickte der Anwender mit seiner 4000-D-Mark-Software neidvoll auf das etwa halb so teure InDesign, das von Version zu Version immer neue Funktionen brachte, nach denen man sich jahrelang die Finger leckte: PDF/X-3-Export, Tabellen, Fußnoten, verschachtelte Formate, Drop-Shadows, Freisteller, beidseitiges Umfließen et cetera. Nun ist Adobe aber Marktführer und nach der Aquisition von MacroMedia Monopolist – sozusagen das Microsoft des DTP-Marktes.

In seinem Bemühen, nicht noch mehr Kunden durch die gut integrierten Adobe-Produkte zu verlieren, ist der Telefonsupport von Quark ein wirkliches Highlight. Nichts war für einen Anwender mit zersörter Pagemaker-Datei nerviger als das langwierige Warteschleifengedudel vor oft nicht sonderlich problemlösenden und trotzdem kostenpflichtigen Telefongesprächen mit dem Support von Adobe.
Quark hat in den letzten zwei Versionen nachgelegt wieder einige Argumente bzgl. Funktionen und Handling auf seiner Seite – jetzt noch kostenloser Telefonsupport: das klingt nach ›wir haben verstanden‹.

Freuen wir uns also dadrüber, daß es noch einen Wettbewerb gibt und der für den Nutzer mal was anderes abwirft als Preisabsprachen – nämlich Produktverbesserungen und Service.

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