Tech Spotting

Optimus Maximus – 114-fache Erleuchtung

22. May 2007 von schmidt9

Art. Lebedev Optimus Maximus – teures TippbrettBeinahe wäre sie Kandidat für die Vaporware der letzten Jahre geworden, nun kommt sie doch noch auf den Markt: die Tastatur ›Optimus Maximus‹ des russischen Designstudios ›Art. Lebedev‹ ist ab Dezember zumindest in homäopatischen Dosen erhältlich. Ein neues Designer-Gadget ist geboren.

Nachdem im Juli 2005 fast alle einschlägen TechNews-Ticker über die Idee des Russischen Designstudios begeistert berichteten und 2006 von der Idee der ›Display-Tastatur‹ nicht mehr viel zu hören war, gibt es nun einen (inzwischen schon wieder leicht verschobenen) Termin für die Auslieferung der ersten 200 HighEnd-Keyboards, die dank 114 kleiner OLED-Displays die Tastenkappen mit beliebigen Beschriftungen belegen können. Wer möchte, kann das Tippbrett für üppige 1256,- Euro im Online-Store des Designstudios gerade noch rechtzeitig unter den diesjährigen Weihnachtsbaum ordern. Weitere 400 Stück sollen im Januar 2008 folgen.

Art. Lebedev Optimus Maximus – OLEDs auf der Tastatur

Die Idee hat durchaus ihren Charme; die 114 fest verbauten OLEDs unter den beweglichen, transparenten Tastenkappen können frei konfiguriert werden und zeigen – einmal vorkonfiguriert – je nach Anwendung, was für eine Funktion sie im Moment gerade ausüben. Dank 64×64 Pixeln je verbautem OLED kann man auch detailreichere Icons oder Bilder-Miniaturen ausreichend genau darstellen.
Vielleicht entstammt die Idee zu diesem Keyboard ja dem Leidensdruck des Entwerfers und Studiogründers Artemy Lebedev, wenn er häufiger von der heimischen kyrillischen Keyboardbelegung auf eine fremdsprachige, gänzlich andere wechseln mußte. Der Ursprung der Idee – ein Designbüro – ist jedenfalls absolut schlüssig, den jeder Designer, der einmal mit internationalem Material gearbeitet hat, kennt das Problem: spanische Texte mit einem deutschen Keyboard setzen, deutsche mit einem englischen, programmieren mit einer deutschen Tastatur – Alles ein einziger Ärger. Hinzu kommen die von Programm zu Programm und von Betriebssystem zu Betriebssystem unterschiedlichen Belegungen der Tasten mit Sonderfunktionen. Andere denkbare Anwendungen sind die unterschiedlich farbige Hinterlegung der Tasten für Einsteiger ins 10-Finger-System, die damit besser die Zuordnung der Finger zu den Tasten lernen können.

Anwendungsszenarien für das Keyboard gibt es also eine Menge – aber auch Raum für kritische Fragen. Obwohl OLEDs als vergleichsweise sparsame Displays gelten, zieht das Gerät ca. 100 Watt Leistung – fast so viel wie ein sparsamer Tischrechner. Ohne Netzteil geht nichts, weil der USB-Bus bloß im Milliwattbereich Strom liefert. Viele Kabel machen den Schreibtisch weder schöner, noch liegen sie – ebenso wie Stromfresser – garade sonderlich im Trend. A Propos schöner: als ›schön‹ mögen die Nutzer das flache Design ja eventuell empfinden, als ergonomisch mit Sicherheit nur eingeschränkt. Wer sich eine ergonomisch gut bebaute Standardtastatur (Apple, Logitech, Cherry,…) ansieht, dem wird auffallen, daß die Tasten der ›oberen‹ Reihen den Finger durch ihre Kappenneigung entgegen kommen, um einen optimalen Auftreffwinkel der Fingerkuppe zu erreichen. Ebenso dürfte die nur minimal konkave Form der Kappen und der durch die große Kappenfläche bedingte geringe Abstand dazwischen einige Umgewöhnung verlangen. Auch die Zweier-Gruppierung der ›F-Tasten‹ ist eher unüblich. Nur für Deutsche unüblich ist auch die Tastenanordnung – hier bewegt sich Art. Lebedev eher auf internationalem Terrain – der ›große‹ zweizeilige Zeilenschalter ist ein Sonderfall auf dem deutschen Keyboard.

Löblich dagegen ist die Auslegung sowohl für MacOS X als auch Windows – hier macht sich der Designer-Background positiv bemerkbar. Ebenfalls positiv wäre eine mutigere Erstauflage, denn die Kosten für die 114 OLEDs allein können den happigen Endpreis nicht rechtfertigen – solche Displays gibt es inzwischen sogar in Billigst-MP3-Playern. Vielmehr werden die meisten Elektronikhersteller wohl eher bei 200 Stück die Prototypen-Abteilung bemühen, statt eine Serienherstellung anzuschieben, was wohl der entscheidende Grund für die hohen Anschaffungskosten sein dürfte.

Solange die noch so hoch sind, bleibt die Tastatur ein HighTech-Gadget und weniger technophile und preisbewustere Nutzer greifen zum Edding oder kaufen sich zur Lösung von Mehrsprachigkeitsproblemen weiterhin eine zusätzliche, ordentliche Tastatur – zu etwa 3% des Preises.

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