Tech Spotting

Meine ›Warum man Adobe hassen darf‹-Liste

31. Mai 2007 von schmidt9

Ich habe bei den Produkten von Adobe seit geraumer Zeit den Eindruck, daß dieses Unternehmen inzwischen nicht mehr erfolgreich durch innovative Produkte, sondern durch eine ausreichend finanziell ausgestattete Kriegskasse ist. Mit dieser jubelt man sich in der Presse hoch, bewirbt seine Neu-Creationen als das beste nach der Erfindung des Rades und kauft ringsum die Mitbewerber auf, damit man anschließend noch unverschämter Preise nach Marktlage machen kann.
Daß Adobe Programme ziemlich ›mitteilsam‹ sind, ist bekannt und reiht sich ein mit anderen, ebenfalls nicht sonderlich beliebten Software-Monopolisten. Der Shareholder-Value macht Adobe ähnliche wie andere Anbieter von geistigem Eigentum zum bloßen Sklaven des Mammons.
Das klingt vielleicht polemisch, aber nur so lassen sich die Entscheidungen von Adobe aus den letzten Jahren erklären. Das Grundprinzip, daß ein funktionierender Wettbewerb die Qualität der Produkte steigert und sich vorteilhaft für den Verbraucher auswirkt, hat Adobe durch Aufkauf von MacroMedia im Bereich der grafischen Software vollkommen ausgehebelt – und das amerikansiche Kartellamt hat keine Gefahr gesehen bzw. sehen wollen.

Hier ist meine ›Warum man Adobe hassen darf‹-Liste:

  • Zwangsaktivierung zur Maximierung des Gewinnes werden die ehrlichen Nutzer in die Mangel genommen – keine einzige Kopie von Adobe-Programmen soll ohne das Wissen des Herstellers laufen. Dabei vergißt Adobe, daß die Aktiviererei bei Hardware-Upgrades, Rechner-Tauschen und Mehrfach-Installationen einen extremen Mehraufwand verursacht und diejenigen bestraft, die das Produkt gekauft haben – die anderen haben irgendwo einen Crack her.
  • .0 unbenutzbar Immer wieder müssen Druckbetriebe auf ernstzunehmende Bugs in den .0 Versionen, besonders von Acrobat und Illustrator hinweisen. Eine Nichtbeachtung – sprich das Arbeiten mit Softwar ›out of the box‹ birgt erhebliche Risiken für schwere Fehler in der Druckvorstufe, die u.U. eine ganze Druckproduktion ruinieren können.
  • Funktionsumfang von Acrobat für den Mac 3D-Funktionen, Office-Integration, Performance, … die Unterschiede zwischen der Mac- und Windows-Version von Acrobat liegen seit Jahren im Detail. Adobe spart bei der Mac-Version, wo man sie nur können. Am Preis ändert das nichts, der liegt mit der Windows-Version gleich auf.
  • Herausnahme Einstellung von GoLive aus der CS-Suite Als Adobe Mitte der 90er den Webzug verschlief, kam die kleine Softwareschmiede aus Hamburg gerade recht – endlich hatte man ein (Mac-)Programm, daß auch umfangreicheren Webprojekten gewachsen war. Auch wenn sich GoLive Cyberstudio in den Händen von Adobe nicht gerade an allen Stellen besonders sinnvoll entwickelte, so hatte es doch einige einmalige und sehr sinnvolle Funktionen: die Seitenverwaltung, der Link-Inspektor, die geteilte Anzeige mit Quellcode, die HTML-Blog-Ansicht, die Ausgabe-Funktionen für mobile Geräte etc. und – eine breite Nutzerbasis. Mit dem Aufkauf von MacroMedia kam Adobe aber in den Besitz des Marktführers Dreamweaver. Weil sich die PR-Herren und Finanzverwalter nicht vorstellen konnten, daß es Nutzergruppen mit unterschiedlichen Präferenzen und Arbeitsweisen auch im Webdesign gibt, stellt Adobe das weniger erfolgreiche Produkt eingliedert Adobe das weniger erfolgreiche Produkt jetzt aus den CS-Pakten aus, was nicht gerade zur Verbreiterung der Nutzerbasis führen dürfte.. Wen interessieren die eigenen Kunden, die man mit den Jahren und viel Marketingaufwand für GoLive gewonnen hat, die sich auf dem Programm eingearbeitet, mit seinen Schwächen und Stärken leben gelernt haben und die nun mit kompletten Webprojekten auf eine ander Entwicklungsumgebung wechseln müssen?
  • Einstellung von FreeHand Daß Adobes Illustrator neben den bekannten Vorteilen auch eine Menge Funktionsdefizite und ein sehr ›eigenes‹ Handling hat, war sicher einer der Gründe dafür, daß trotz der Macken in FreeHand viele Nutzer zu dieser Alternative griffen. Genauso wie bei der Einstellung von GoLive interessierten aber auch hier die Finanzgeier von Adobe sich nur wenig für die Bedürfnisse der breiten Anwenderschaft, denn selbst eingefleischte Illustrator-Nutzer schauten durchaus interessiert auf die eine oder ander FreeHand-Funktion. Wer darauf hoffte, daß Adobe mit Illustrator CS3 das beste aus den beiden Programmwelten ›verheiraten‹ würde, wurde bitter enttäuscht. Außer einem Import-Filter für FreeHand-Dokumente (der aufgrund der unterschiedlichen Funktionsweisen der Programme nur eingeschränkt nutzbar ist) macht Adobe keine wirklichen Zugeständnisse an die breite Nutzerbasis des ehemaligen Konkurrenten.
  • Performance von Illustrator Illustrator CS mit großen Dateien läuft selbst auf einem G5 mit viel RAM, als ob man durch ein Meer aus Kautschuk schwimmt. Wer beim Update auf CS2 auf eine verbesserte Performance hoffte, sah sich getäuscht. Ob sich das bei der CS3-Version gebessert hat, darf bezweifelt werden.
  • Nach Hause telefonieren‹ Was bei E.T. noch ganz trollig klang, ist bei Software alles andere als spaßig – der Blick durchs Schlüsselloch ist auch den meisten legalen Adobe-Nutzern ein Dorn im Auge, weswegen viele Nutzer Adobes Nutzerausspähung durch den Einsatz von zusätzlichen Schutzmechanismen zu verhindern wußten.
  • Zwangsinstallation von Adobe Online die Deaktivierung bestimmter Installationskomponenten hat bei Adobe seit Jahren Placebo-Charakter – selbst wenn der Nutzer in der Installation auf Adobe Online verzichten möchte, installiert sich dieses ungefragt auf dem Rechner der Anwender und öffnet so schwer kontrollierbare Hintertüren.
  • Neue Kameras nur mit neuem PhotoShop AdobeCameraRAW ist für viele Digitalkamera-Nutzer zu einem Standard-Tool geworden, um ihre Rohdaten möglichst optimal in PhotoShop einzulesen. Wer mit seiner PhotoShop-Version weiterarbeiten möchte und eine neue Kamera kauft, hat Pech: neue Modelle werden nur mit dem neuen AdobeCameraRAW unterstützt, daß die aktuellste PhotoShop-Version zwingend voraussetzt.
  • Europa darf zahlen die Preise der Adobe-Programme, selbst der englischen Versionen, differieren erheblich zwischen Europa und den USA. So liegt der Listenpreis der ›Vollausstattung‹ (Adobe CS3 Master Collection) in den USA bei empfohlenen US$ 2499, in Europa bei 2999 € – ohne Steuern. Die Differenz liegt bei ca. 1140 €.
  • 31. Mai 2007 – Weg mit der Firewall! Adobe mißbraucht seine für die Installation benötigten Administrationsrechte, um die Sicherheitsvorkehrungen der Nutzer zum Schutz gegen Eindringlinge aus dem Internet auszuhebeln. Dies erfolgt ohne Nachfrage oder Information des Nutzers und wird auch nicht wieder rückgängig gemacht. Adobe ist auf dem Weg, den Rechner des Nutzers komplett ›in Besitz‹ zu nehmen.

Kategorie Tech Spotting |