scheinen viele Nutzer gängiger Diagrammtools im Kopf zu haben, wenn sie versuchen, Inhalte aus Spalten- und Reihenform in eine informative Grafik zu verfrachten. An ›envisioning Information‹, d.h. die Visualisierung von Informationen mit grafischen Mitteln und gleichzeitig Titel eines der grundlegenden Bücher zum Informationsdesign von Altmeister Edward Tufte denken dabei leider nur die wenigsten – mit zum Teil verheerenden Folgen.
Der heimliche Trumpf eines jeden Einführungsvortrages über Informationsgrafik ist die Geschichte vom Absturz der ›Columbia‹. Mit einem passenden Diagramm hätte man schon vor dem Start, so wird kolportiert, erkennen können, daß das für den Absturz verantwortliche Bauteil unter den gegebenen Bedingungen hätte versagen müssen.
Bei dem Diagramm über die Entwicklung der deutschen Internetnutzung in einer Nachricht von heise online ist der zu erwartende Schaden zwar nicht mit dem Columbia-Desaster vergleichbar – als Beispiel für ungeeignete Infografik ist es allerdings prädistiniert:

- Warum die Information trotz vergleichbarer Werte auf mehrere Einzeldiagramme verteilt wird, ist unverständlich.
- Balkendigramme sind für kontinuierliche Entwicklung nicht immer die richtige Wahl, für vergleichende Werte sind sie i.d.R. vollkommen ungeeignet. Üblicherweise benutzt man für kontinuierliche Entwicklungen Liniendiagramme, die auch die Möglichkeit der Vergleichbarkeit verschiedener Wertereihen bieten.
- Die blauen Farbtöne suggerieren eine inhaltliche Nähe zwischen 2005 und 2006. Das Orange für die Zahlen von 2007 stellt das Jahr über Gebühr heraus. Seine Position ganz rechts im Diagramm transportiert diese Information aber bereits ausreichend.
- Hervorhebungen sollten besser für Werteentwicklungen genutzt werden, die besondere Aufmerksamkeit verdienen, im Beispiel besser der starke Anstieg der Breitbandzugänge als das aktuelle Jahr.
Ganz ohne gestalterischen Anspruch habe ich in wenige Minuten mit Excel-Boardmitteln den Versuch unternommen, die Zahlen zumindest les- und vergleichbar aufzubereiten. Die Bewertung überlasse ich hiermit dem Leser.

Wenn es auf die Vergleichbarkeit der Prozentsätze und die Entwicklung ankommt, kämme ein Liniendiagramm in Frage,

und wenn eher die Zusammensetzung über die Jahre beurteilt werden soll, dann ist ein Stapelbalkendiagramm eine gute Option;

wobei es wichtig ist, ob die steigenden Werte als oberste oder unterste Werte gezeigt werden, denn wenn ISDN und Aalog zuunterst platziert werden, bekommt das ganze Diagramm eine absteigende Tendenz – das Breitband erschlägt förmlich ISDN und Analog. Die rote und orange Farbe für die absteigenden Werte dramatisieren dies noch weiter.

Mit wenigen Manipulatinen kann man mittels Stapelbalkendiagramm auch aufzeigen, daß offensichtlich mit steigender Anzahl von Breitbandanschlüssen die Ahnungslosigkeit der Besitzer steigt :-)
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