Fucking Political, Tech Spotting

Der erste Schuß ist immer gratis…

19. April 2007 von schmidt9

In the world’s poorest countries, Microsoft wants to earn $ 15.000.000.000.Sehr beliebt und gleichzeit besonders pervers an der Drogenszene ist die Situation, in der ein Dealer gleichzeitig sein bester Kunde ist. Der billige ›Stoff‹ beschert ihm eine Abhängigkeit vom Lieferanten, welchen er nur dadurch bezahlen kann, daß er die Drogen auch noch an andere Konsumenten verkauft. In dem er aber ein paar noch ärmeren Junkies das Dealen beibringt, kann er selbst noch ein wenig vom Schneeballprinzip profitieren, wenn er in der Hirarchie nicht zu weit unten steht. So in etwa muß Microsoft gerechnet haben, wenn man die MS Information zum Government Leaders Forum Asia 2007 liest, in dem Microsoft die Ausweitung seiner Unterstützung für die ärmsten Länder der Erde ankündigt.

Unter dem heilsbringenden Namen ›unlimited potential‹ möchte Microsoft bis zum Jahr 2015 weiteren 5 Milliarden Menschen die Informationtechnologie näher bringen, Lehrer fördern, 90 neue Innovationszentren gründen und vor allem eine ›Softwaregrundversorgung‹ in den Entwicklungsländern zu einem fast schon symbolischen Preis von 3 Dollar anbieten.
Was nach einem großherzigen Akt klingt ist allerdings von der Praxis des ›Drogen vercheckens‹ nicht wirklich weit entfernt. Auch hier gibt es zuerst ein paar Grämmchen und die Anleitung zum Tütenbauen für lau, später irgendwann darf man sich dann auch mal auf Kosten des Dealers ›die Nase pudern‹. Hat man Gefallen gefunden und mag die kleinen Ausflüge in eine bessere Welt nicht mehr missen, zahlt man, soviel der Geldbeutel hergibt.

Auch bei Microsofts Plan zur Erlösung von 5 Milliarden Seelen vor der informationstechnologischen Unkenntnis hilft einfache Mathematik und das Lesen zwischen den Zeilen, um zu verstehen, wohin die Reise wirklich geht. 3 $ x 5.000.000.000 ergibt zuerst einmal schon die stattliche Summe von 15.000.000.000 $ – dafür dürften die Entwicklungskosten der Software, die Microsoft für wenig Geld unter den Armen verteilen möchte, bereits gedeckt sein. Als Anhaltspunkt kann Microsoft Windows Vista dienen, dessen Entwicklung für alle angebotenen Versionen zusammen nach Microsofts eigenen Angaben etwa 6 Milliarden US-Dollar verschlungen hat. Darüber hinaus ist die funktionsverstümmelte Software, die Microsft der dritten Welt nun anbietet – Windows XP Starter Edition, Microsoft Office Home and Student 2007, Microsoft Math 3.0, Learning Essentials 2.0 for Microsoft Office und der Windows Live Mail Desktop – lange durch die Microsft-Kunden der ›ersten‹ Welt bezahlt wurden.
Wers nicht glaubt, rechnet selbst – den 6 Milliarden Dollar Entwicklungskosten für Windows Vista stehen angepeilte 200.000.000 Windows-Lizenzen in naher Zukunft gegenüber, mit Preisen von ca. 100 $ für das Update auf Vista Home Baisc bis 500 $ für Ultimate-Version. Selbst bei einem durchschnittlichen Großhandelspreis von 30 $ hätte Microsoft die Entwicklungskosten bereits vollständig refinanziert. Alles darüber hinaus ist Shareholder Value.
Nun kommt auch noch die Verwertung der angestaubten Software-Leichen in der dritten Welt hinzu. Die dort offerierten Preise zeugen zum einen davon, wie viel Angst Microsoft vor der Ausbreitung freier (und damit kostenloser) Software in den Märkten von morgen und übermorgen hat, zum anderen führen Sie den Kunden der ersten Welt vor Augen, was ein Monopol tatsächlich bedeutet und wie viel ihre teuer erstandene Software wirklich wert ist.

Man mag argumentieren, daß dies die Leute in den unterentwickelten Ländern reichlich wenig interessiert – schließlich bekommen sie weitestgehend funktionsidentische Software zum absoluten Schnäppchenpreis. Dem ist nicht so, denn der Schnäppchenpreis ist – wie beim Dealer – bloß zum anfixen. Das Angebot richtet sich an Regierungen, die die Software vor allem an Schulen und Lehreinrichtungen sowie im akademischen Umfeld etablieren sollen. Microsoft nutzt so geschickt seinen Mangel an Vertriebswegen und überträgt diese Aufgabe staatlichen Stellen. Auch Dealer vertrauen darauf, daß die teure Ware ihren Weg zum Kunden über autonome Strukturen findet.
Bald werden die neugewonnenen Microsoft-Kunden jedoch feststellen, daß sie die abgelagerte und verschnittene Ware bekommen haben. Für den ›reinen‹ Stoff greift Microsoft auch Ihnen deutlich tiefer in die Tasche. Wenn man dann einmal an einen Dealer gebunden ist, ist es schwer, von ihm loszukommen. Dafür sorgt Microsfts ›Ausbildungsprogramm‹, denn Microsoft hält daran fest, daß hochqualifizierte Lehrer ausgebildet werden müßten und ›investiert‹ weiter fleisig in die Ausbildung von Lehrern. In den vergangenen Jahren habe man in 101 Ländern 250 Millionen Dollar ausgegeben, um 772.000 (!) Lehrer auszubilden – zertifiziert nicht etwa für allgemeine IT-Grundlagen, sondern nur für Microsoft-Produkte!
Weiterhin werden die neuen Süchtigen bald daran verzweifeln, daß ihre ›Hardware‹ mit den neuen Trogen nicht mithalten kann. Microsofts Betriebssysteme gelten mitnichten als Beispiele für Ressourcenfreundlichkeit. Während Linux und z.B. OpenOffice grundsätzlich kostenlos sind und daher prinzipbedingt auch keine Aufpreise für den vollen, aktuellen Funktionsumfang kennen, sind diese zusätzlich auch noch auf antiquierter Hardware verschiedenster Herkunft produktiv einsetzbar ist. Hingegen wartet Microsofts veraltete Windows XP Starter Edition nicht nur mit unzureichenden Sicherheitsfunktionen, sondern auch mit einem stattlichen Hardwarehunger und damit verbunden einem beachtlichen Energiebedarf auf. Dritte Welt-Länder mit einem Windows ohne Firewall und Virenscanner den Weg in die Informationsgesellschaft weisen zu wollen ist Sachbeschädigung mit Vorsatz. Den bald nötigen Umstieg auf das aktuelle und zumindest graduell sicherere Windows Vista wird Microsoft sich jedoch mit Sicherheit anständig versilbern lassen.
Bereits in den Grundzügen scheint bei Bill Gates der Sinn für die wirklich Probleme der dritten Welt auf ihrem Wegin die Informationsgesellschaft nicht vorhanden zu sein, wenn er sagt, daß »für arme Menschen … Computer und Vernetzung immer noch zu teuer … « seien und daß es » … auch kaum angemessene Informationsressourcen … « gäbe »…, da die armen
Menschen nicht an ihrer Entwicklung beteiligt würden.«. Das sehen viele Internetnutzer anders, denn zum einen ist Hardware und Vernetzung teuer, Software muß es nicht sein, und zum anderen gibt es mit Projekten wie der Wikipedia frei zugängliche partizipatorisch angelegte Informationsportale im Netz, zu denen die ärmeren Länder bereits jetzt beitragen und von denen sie auch schon – ohne einen Cent dafür zahlen zu müssen – profitieren können. Nutzungsbeschränkte und damit kostenpflichtige Wissenskartelle sind hingegen ein Problem der durchkommerzialisierten Wissensgesellschaft. Wenn Bill Gates es ernst gemeint hätte, hätte er sein Geld vielleicht besser in die Wikipedia Foundation oder das Projekt ›one Laptop per Child‹ stecken sollen – aber die kommen dummerweise ohne Windows aus…

Dies alles werden die Länder, die an Microsofts Köder angebissen haben, eventuell erst dann feststellen, wenn ihre Jugend unter einem Computer nur noch einen Windows-PC versteht, wenn man statt im Netz zu suchen eM-eS-eNt, statt E-Mails zu schreiben OutLooked und statt einer Tabelle zu bearbeiten Excelt. Ganze Länder werden regelmäßig pauschale Summen für ein Microsoft-Gouvernance-Licence-Program nach Redmond überweisen, Windows wird ›The official nigerian Operation System‹ sein, Microsoft sein Monopol auch auf die ärmsten Länder der Welt ausgeweitet haben und die Aktionäre von Microsoft werden an jedem Brief, den eine Sekretärin in einem Entwicklungsland schreibt, mitverdienen.

Was für unlimited posibilities!

P.S.: Zusätzlich freuen sich die Freunde der inneren Sicherheit über 5 Milliarden Computer mehr mit eingebauten NSA-Backdoor.

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