Fucking Political, Tech Spotting

Apple-Bashing – Verbraucherschützer vs. Verbraucher

7. Februar 2007 von schmidt9

Kaum zu glauben, daß die Kalifornische Obstfirma doch noch zum Primärziel der DRM-Hasser wird. Man hat sich doch eigentlich schon dran gewöhnt: DVDs kann man nicht kopieren, CDs laufen auch mal gar nicht mehr auf einem CD-Player, Software auch nicht mehr mit dem zugehörigen Lizenzschlüssel usf. DRM schützt die Rechte der Rechteinhaber – daß das im Interesse der Verbraucher ist, glauben die spätestens dann nicht mehr, wenn wieder einmal eine Un-CD oder eine DVD mit fremden Regionalcode den Dienst versagt.

Wiederholt stürzen sich französische und nun auch norwegische Verbraucherschützer auf den iTunes-Store (iTS) und seine Bindung an den iPod – wer im iTS kauft, kann seine Titel auf direktem Weg nur auf einem iPod abspielen. Diese Bindung schade dem Kunden und zwänge ihm den Kauf eines iPods auf.
Dabei übersehen Sie in ihrer Pauschalkritik gleich mehrere Dinge, allem voran eine kleine, aber bedeutende Möglichkeit von FairPlay, dem Apple-DRM: gekauft (und damit geschützte) Titel können problemlos auf eine CD gebrannt werden – beliebig oft. Die ist dann ungeschützt, weswegen die so DRM-befreite Musik auf jedem beliebigen Player – ins MP3-Format gewandelt – abgespielt werden kann. Das klingt umständlich, funktioniert aber selbst mit Apples eigener Jukebox-Software mit wenigen Mausklicks. So einfach kann man kein anderes DRM-System umgehen – von illegalen Tools aus dubiosen Quellen einmal abgesehen, denn das Aushebeln von Kopierschutzmaßnahmen steht in den meisten Industrieländern dank der vorbildlichen Lobbyarbeit der Musikindustire inzwischen unter Strafe.

Mit Apple – Marktführer in den USA und vielen weitern Ländern – haben die Verbraucherschützer sich einen prominentes Feindbild gesucht. Dabei ist die Firma aus Cupertino beleibige nicht der einzige, gegen den man in so einem Fall vorgehen müßte – Kunden mit einem taufrischen Microsoft Zune sind an den Zune-Store gekoppelt, Kunden mit dem Windows-Media-DRM (ebenfalls von Microsoft) schauen dagegen in die Röhre, selbst wenn sie sich Musik bisher bei den Microsoft-Partnern gekauft haben – auf dem Zune läuft nur Zune-Store-Musik.
Das eben erwähnte Windows-Media-DRM dängelt seine Verbraucher ebenfalls gehörig – je nach Titel und Rechteinhaber kann alles erlaubt sein oder fast nichts, Brennen der gekauften Musik geht meist grundsätzlich nicht. Übersichtlichkeit geht anders: Abspielen auf 5 Rechnern, Brennen beliebig oft und übertragen auf den eigenen iPod, das erlaubt Apple: für jeden der mehr als 1.500.000 Titel aus seinem Angebot, no excuses.
Als Alternative habt sich – neben diversen erfolglosen Abo- und Flatratemodellen – lediglich das Windows-Media-DRM etablieren können, das zwar von mehrern Player-Herstellern unterstützt und auf diversen Plattformen vertrieben wird, aber dafür bereits auf Rechnerseite den Verbraucher in fast unzumutbarer Form gängelt. Der hat das dann auch begriffen und pekuniär abgestimmt: wenn schon DRM, dann das von Apple.

Ein weiteres Detail übergehen die sogenannten Verbraucherschützer: das Microsoft DRM läuft nur auf Microsofts Betriebssystem – möglichst dem neuesten – und sonst nirgendwo. Wer auf Apple wegen einer engen Hardware-Software-Bindung rumtrampelt, sollte sich vielleicht auch fragen, wie es mit der DRM+Betriebssystembindung bei Microsoft aussieht. Deren Windows-Media gibt es zwar zumindest noch für den Mac, aber ohne DRM-Funktionen. Bei Kaufmusik, z.B. von T-Online, bleibt auf dem Mac der Lautsprecher stumm. Ob es schlimmer ist, denn Rechner passend zum Online-Musikladen zu kaufen oder nur den Player, sollte jeder selbst beurteilen.

Ebenfalls unberücksichtigt bleibt, daß nach einer neueren Studio auf den iPods erstaunlich wenig Kaufmusik läuft. Damit scheinen die Verbraucher ihren Schützern deutlich voraus zu sein und den Weg um diverse DRM-Sperren schneller gefunden zu haben als ihre Beschützer.

Man muß also kein Verschwörungstheoretiker sein, um hinter den bissigen Ausführungen der Norweger eine höhere Eingebung zu vermuten, denn wie heist es so schön: »Viel Feind, viel Ehr’«. Deren einseitiger Angriff auf den Marktführer begünstigt nämlich das regide Konkurrenz-DRM – durch schlechte PR für Apple, durch die Behauptung, mit dem iTS an den iPod gekettet zu sein und durch das bloße Verschweigen der Tatsache, daß im Bereich Online-Musik ohne DRM auch bei anderen – zumidest legal – nix geht.

Warum alle auf Apple rumhacken, erschließt sich daher rein sachlich nicht. Kein anderer Anbieter ist so liberal mit seinem DRM und so transparent bei seinen Preisen und bietet noch dazu einen sauberen und legalen Weg, das eigene DRM zu unterlaufen. Vielleicht liegts aber auch nur daran, daß Apple-Bashing gerade wieder in Mode kommt. Das hat selbst Greenpeace erkannt und Apple als Umweltsau gebranntmarkt. Schließlich ist Apple populär und so denk fast jeder, er dürfe auch mal versuchen, per Tortenwurf auf den Primus kurz ins Scheinwerferlicht zu kommen. An Steve Jobs Antwort auf die Angriffe ändert das nichts – wenn sie könnten, wie sie wollten, würde Apple das DRM weglassen. Auch Apples permanentes Bemühen um einen einheitlichen Preis im iTS spricht für verbraucherfreundliche Denke. Diese können viele nachvollziehen und einige wenige wollen es nicht verstehen.

Die Verbraucherschütze schaden in ihrer Profilneurose daher wohl am meisten ihren eigenen Verbrauchern. Wenn Apple auf die DRM-Modelle der Mitbewerber umsteigen muß oder als Prime Target vom Markt verschwindet, siehts noch deutlich finsterer aus.

Vielleicht sollten die Verbraucherschützer sich daher nicht das naheliegendste und publikumsträchtigste Ziel suchen, sondern besser dort anfangen, wo der Ursprung des Übels liegt: bei den wenigen großen Majorlabeln, die mit ihren Kontrollfantasien versuchen, für jeden Atemzug eines Musikliebhabers noch Tandiemen zu kassieren.

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