Muß man es als Zeichen einer fortschreitenden Globalisierung werten, oder sind andere Zusammenhänge dafür verantwortlich, wenn ein weltweit erfolgreicher Suchmaschinenbetreiber sich von seinen eigenen Grundsätzen entfernt? »Don’t be evil« wurde einst von den Google-Gründern an als Motto ausgegeben – das scheint inzwischen ausgedient zu haben.
Googles Rechtsabteilung ist in letzter Zeit bei diversen Medien- und Verlagsredaktionen vorstellig geworden und mahnt die markengerechte Verwendung des eigenen Namens an. Grund dafür ist die mangelnde Schutzfähigkeit des Wortes ›googeln‹ – im Gegensatz zum eigenen Markenname ›google‹. Das Verb, inzwischen umgangssprachlich oft für Netzrecherche eingesetzt, wird den eigentlich ›guten‹, coolen New-Economy-Helden zu allgemein eingesetzt. Das soll sich ändern.
Coole Jungs fühlten sich bisher eher geschmeichelt und bestätigt, wenn ihr Werk so populär wird, daß es sich (als Verb!) einen Platz in der Umgangssprache erobert. Marketingmenschen sollten ebenfalls begeistert sein, wenn für das Suchen im Netz inzwischen fast schon reflexartig das Wort mit den zwei ›o‹s auftaucht – wer vom googeln spricht, wird in der Regel wohl auch die Webseite der Kalifornier aufsuchen, statt z.B. die Konkurrenz aus Seattle zu beehren.
Kinder bekommen so fast schon mit der Muttermilch die Default-Suchmaschine beigebracht – was will man mehr? Offensichtlich noch mehr Gewinn, und auf keinem Fall mehr für de Mitbewerber.
Googles Rechtsabteilung hat gesprochen und mahnt die Medien und Wörterbuchhersteller an, doch bitte als ›googeln‹ nur noch die Suche mit der eignen Suchmaschine zu bezeichnen beziehungsweise statt ›googeln‹ doch bitte ›suchen mit Google‹ zu verwenden.
Ja klar doch, man reiche mir bitte zum Augen wischen ein ›Tempo‹-Taschentuch und gegen das Kopfdrücken eine ›Aspirin‹ nebst ›Selters‹. Wie bitte, sie haben keine Markenprodukte? Dann hätte ich gern ein ›Zellstofftaschentuch‹ und gegen die Kopfschmerzen tuts auch ein ›Acetylsalicylsäure‹-Präparat und schlichtes ›Mineralwasser‹.
Wenn es ein Unternehmen wie Google trotz überwältgender Marktdominanz und Popularität nötig hat, seine werte Kundschaft zu maßregeln, dann ist man nicht mehr auf der guten Seite – zumindest, wenn man es mit einem anderen anglizistischen Geschäftsgrundsatz hält: »never insult your clients«.
Vielleicht ›suche‹ ich besser in Zukunft wieder im Internet.
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