Down Town WE, Fucking Political

We keep the money, you do the rest
oder- Studenten aller Länder, verkauft Euch!

5. December 2006 von schmidt9

Mit mitleidsheischender Dreistigkeit wird nach wie vor und routinemäßig – von Agenturen wie Auftraggebern - das Potential junger Köpfe erbeten, ohne dafür angemessen zahlen zu wollen. Als ehemaliger Student und Lehrender geht mir bei solchen Angeboten die Galle über!

Warum? – WEIL IHR ES NICHT NÖTIG HABT!

Und weil ich während meiner Lehrtätigkeit und in meinen 6 Jahren Studium gesehen hab, was Ihr auf dem Kasten habt. Die z.T. unangenehme Lage auf dem Arbeitsmarkt sorgt dann dafür, daß sich am Ende doch meist ein Dummer findet.

Ich möchte daher nocheinmal daran erinnern, was es für EUCH bedeutet, wenn Ihr auf solche ‘Angebote’ eingeht:

  1. Ihr wollt leben
    Okay, Bude 200, Essen 150, KV 60 und Handy 30 Euro – Ihr kommt mit wenig zurande. Also 500 Tacken für ein kleines CD – her damit. FALSCH! Denn Ihr wollt auch in 5 Jahren leben. Und dann sieht die Mathematik anders aus: Miete 500, Krankenkasse 200, Versicherung 50, Hard- und Software 200, Kindergarten 150, Essen 400 Euro – you’ve got the idea?
  2. Erst mal muß man einen Kunden bekommen
    Aber Ihr werdet ihn nicht halten, wenn Ihr mit Dumpingpreisen anfangt. Denn irgendwann müßt Ihr anfangen, richtig Schotter zu nehmen und da hat er sich dran gewöhnt, an den Flyer für nen Hunnie…
  3. Tanz auf der Klinge
    Was ein Designer verkauft, sind nicht seine Photoshop-/InDesign-Kenntnisse (die stehen im Tutorial von Adobe), sondern sein geistiges Potential. Er verkauft also geistiges Eigentum – und das kostet Geld. Eure Kunden sollten das respektieren. Damit sie dies tun, müßt Ihr es vormachen – indem Ihr anderer Leute geistiges Eigentum respektiert und ggf. honoriert. Bei 200 Euro für eine Broschüre könnt Ihr noch nicht mal die Fonts dafür kaufen, geschweige denn die nötige Software. Okay, Ihr seid ja noch Studies, also alles nicht so heftig, bloß die BSA ist eben nicht das Sozialamt…
  4. Ich hatte ja gerade noch Zeit
    Verdammt, dann ab in die Bibo, ins Netz, ran an den Entwurf, her mit der 3. Variante für die Präsentation am nächsten Dienstag… Oder raus ins Grüne, um auf neue Gedanken zu kommen. Auch Eure Zeit ist was wert, und wenn Ihr sie verkauft, dann für so viel Asche, daß Ihr anschließend wieder eine Zeit lang davon studieren könnt. Billige Nebenjobs kosten Euch Studienzeit und gehen zu Lasten der Qualität – Trust me, I’ve seen it all!
  5. Man braucht praktische Erfahrung
    Genau richtig. Aber dann solltest Du Deine Corporate Design-Erfahrungen unter Anleitung machen – in einem Projekt an der Uni oder während eines Praktikums. Wenn Ihr heute dem Kunden Euer halbgewalktes Wissen verkauft, stellt der irgendwann doch fest, daß das noch nicht der Weißheit letzter Schluß war. (You won’t get away – irgendwann wird ihm jemand sagen, daß er einen Grünschnabel verpflichtet hat) Dann beschließt dieser Kunde vielleicht fortan, den Kram wieder selbst zu machen. Ich nenne Kunden, die sich von einem Designer halbgaren Kram verkaufen lassen haben ‘verbrannte’ Kunden, und solche geben so schnell keinem Designer mehr ihre wertvolle Kohle in die Hand. Wenn Ihr was verkauft, dann nur, wenn Ihrs auch stemmen könnt! Wenn Ihrs aber drauf habt, dann siehe 1. – 4.
  6. Tolle Projekte in der Zukunft
    Vergeßt sie, de Versprechen. Geht doch mal zum nächsten REWE und sagt: ›Für das Brot zahl ich nur 10 Cent, aber ich komme bestimmt bald wieder und kauf ein Päckchen Kaffee, dann zahl ich richtig‹ – alles klar?

Es gibt wirklich keinen Grund, Euch unter Wert zu verkaufen – weder als Praktikant, noch als Dienstleister. Wer Eure Leistung will, der muß ordentlich zahlen! Entweder er tuts (Typ A), oder er will es nicht (Typ B) oder er kann es nicht (Typ C).

  • Typ A
    Haltet Euch den Kunden warm, gebt Ihm, wofür er zahlt und ein bißchen mehr…
  • Typ B
    Vergeßt Ihn, und zwar schnell, er wird Euch immer bescheißen, immer einen Grund für eine Rabattierung finden und am Ende doch den nächstbilligeren nehmen – Ihr legt nur drauf…
  • Typ C
    Der Kunde ist bemitleidenswert. Aber Ihr seid nicht die Heilsarmee – oder doch, falls es sich um ein karitatives, humanes, soziales oder … Projekt handelt – dann ist das eine ehrenhafte Ausnahme und Ihr holt Euch aber bitte wenigstens einen Schein für ein selbstgewähltes Projekt für diese Maloche.

Grundsätzlich gilt: Man kann nur haben, wofür man zahlen kann. Der Autohändler verkauft Euch auch nicht den Passat zum Preis eines Fox, bloß weil Ihr gerade Euren eigenen Laden aufgemacht habt.

Wenn also mal wieder jemand kommt mit
›Neugegründetes Unternehmen sucht Erscheinungsbild und jemand zum Logo hübschmachen‹ oder ›Praktikant (mit phenomänaler Qualifikation, versteht sich) gesucht, aber Ihr lernt ja noch und deswegen gibts keine Kohle‹ – dann tretet diese Typen in den Hintern, und zwar so ordentlich, daß die Wirbel noch nahe des Kleinhirns krachen!
Ein Dummer findet sich leider am Ende meistens doch noch. Verarscht hat er damit Euch alle.

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