Verstehen wir uns nicht falsch: Werbung für Kinderläden kann, darf, ja vielleicht sogar muß Spaß machen. Sie soll alle Altersgruppen verführen – Kinder, Eltern, Omis…
Genau an dieser Stelle wird wieder einmal die Pflicht mit der Kür verwechselt. Hobby-Gestalter greifen zu Farben, die dem Drucker den Schweiß in die Hände und dem Papier die Tinte hinten wieder heraustreiben. Bei der Typographie schäumt gern auch einmal die Infantilität über – Knubbel, Bubbel, Hubba, Bubba – Aua!
Dabei ist die Umsetzung der Grundlagen von gutem Informationsdesign bei einer so großen Zielgruppe noch viel wichtiger – und deswegen auch schwerer – als bei irgend einem Szene-Zettel, dessen graphische Eskarpaten erstens schnell vergessen sind und zweitens ohnehin nur einen bestimmten Code wiedergeben müssen.
Von der gestressten Mama über die Lesen lernenden Kinder bis zur sehschwachen Oma – die Zielgruppe eines Kinderladens braucht (typo)graphische Höchstleistungen und kein ungelenkes Klickwerk.
Anmerkung vom 7. April 2007 17:00
Der Autor freut sich über Reaktionen und Kommentare – auch kritische, behällt sich jedoch vor, diese zu veröffentlichen:
Vom: 6. April 2007, 21:31:18 MESZ
Von: das Team vom andilli
Mail: kindererlebniswelt<et>web<punkt>de
Zitat: »Hier du kleine Flachzange, ich werd gleich mal ungemütlich. Ich mag nämlich gar nicht gern unbekannterweise im großen bösen Internet mit solch einem primitiven Artikel dumm angepöbelt zu werden. Bevor du dich über andere auslässt solltest du selbst mal deine Fehler überprüfen. Erstens: Unser Firmenname ist geschützt und wird klein geschrieben. Zweitens wurde das Layout von einer Firma entwickelt und ohne direkte Freigabe von unserer Seite vom Centermanagement des Atriums gedruckt. Einwände gegen diese künstlerische Gestaltungsfreiheit kannst du Handlampe gern direkt an den Grafiker stellen. Und drittens, überprüf mal lieber die Kommasetzung auf deiner Witzseite, bevor du überhaupt große Töne spuckst. In diesem Sinne Gute Nacht.«
Kommentar des Autors:
Es tut mir leid, wenn das Team von andilli (jetzt kleingeschrieben, danke für den Hinweis) sich durch meinen Beitrag beleidigt fühlt. An und für sich handelt es sich um eine Auseinandersetzung mit dem Thema ›Gestaltung für Kinder‹. Ich habe es bewußt vermieden, den Name ›andilli‹ mehrfach zu erwähnen, geschweige denn noch per Meta-Daten besonders auffindbar zu machen, denn dieser Artikel richtet sich nicht gegen die Kindererlebniswelt (der ich auch weiterhin für ihren Geschäftsverlauf beide Daumen drücke), sondern gegen eine lausige (typo)graphische Kultur, die sich allenthalben breitmacht und damit sehr wohl auch gegen die eigene Zunft, in der Hobbyisten ihre Leidenschaft ahnungslosen Kunden als Professionalität verkaufen.
Anmerkung vom 8. April 2007 2:00
Es ist schon erstaunlich, wie namentlich nicht benannte und mir auch (bisher) unbekannte Personen jede Form von Contenance wegen eines kurzen Blog-Eintrages verlieren. Statt einer sachlichen Gegenargumentation folgen statt dessen mehr oder weniger anonyme Beschimpfungen und Drohungen. Ich bin bereit, in sachlicher Form über meine Beiträge zu disputieren. In jedem Fall ist dieser Blog eine persönliche Meinungsäußerung meinerseits und NICHT dazu gedacht, Konkurrenten auszustechen oder eine Aquise zu ersetzen. Ich habe und hatte nicht vor, hier irgend jemanden zu beleidigen oder zu schädigen, daher habe ich auch bewußt darauf verzichtet, die Autorenschaft der besprochenen Anzeige, ebenso wie der der Internetseite (auf der es einiges mehr zu besprechen gäbe) nachzugehen. Mein Recht auf freie Meinungsäußerung werde ich mir jedoch auch durch Drohungen nicht nehmen lassen.
Vom: 7. April 2007 18:07:26 MESZ
Von: mir unbekannt
E-Mail: dlarmy<et>web<punkt>de
Thema: pseudo-publikationen und ihre folgen
Zitat: »gutentag,
wir möchten uns an dieser herzlichst dafür bedanken, daß sie im eifer des gefechts der annahme sind, es würde reichen konkurentenkritik als journalistische publikation zu tarnen.
sie sollten jedoch davon ausgehen, daß es immer möglichkeiten gibt solche umtriebe zu sanktionieren, soft oder hard… wie würde sich dolly entscheiden ?!
oft bestimmen ja auch die nehmerqualitäten den eindruck…
kritik muss sein, ist ja auch hilfreich, aber überlassen sie dies in zukunft den kritikern, und versuche sie ihre klientel durch akquise zu erreichen.
grüße an die familie, man sieht sich dann.
d.d.«
Vom: 8. April 2007 02:47:15 MESZ
Von: Daniel Schmidt
Betreff: Re: pseudo-publikationen und ihre folgen
Zitat: »Guten Abend,
ich empfinde Ihren Ton nicht als besonders schmeichelhaft, kann aber verstehen, daß Ihnen – sofern Sie der Urheber der besprochenen Anzeige sind – ein wenig der Groll im Halse steckt. Das tut mir, leid – so war das nicht gedacht.
Da so etwas i.d.R. nur Designer selbst interessiert – wer liest sich sonst Designkritiken durch? – ist dies vor allem ein Beitrag von Designer für Designer. Als langjähriger Dozent, Lehrbeauftragter und Ausbilder in diesem Bereich werde ich gelegentlich von meinen ehemaligen Schüler, Studenten oder Kollegen dazu angehalten, doch einmal wieder etwas zu schreiben. Wenn Sie die Anmoderation zum Rubrik Eyecancer gelesen haben, wissen Sie ja sicher auch, daß es sich um ein Projekt handelt, daß ich schon vor Jahren mit Freunden zusammen betrieben habe und daß ich nun auch wieder aufleben lassen habe.
Für jede Kritik braucht es einen Aufhänger. Mir geht es dabei auch eher um den Inhalt der Kritik als um eine Blamage des Urhebers. Ich habe mich daher nicht bemüht, diesen herauszufinden oder diesen gar zu benennen. Es geht hier nicht um Fingerpointing.
Als ich vor einigen Wochen vom Forum Typografie aus Düsseldorf zurückkam, fiel mir kurz darauf der Rathaus-Kurier mit dieser Anzeige in die Hände – die im übrigen noch weitere kommunikationsgestalterische Schwachpunkte aufweist – und hat mich dazu animiert, wieder ein wenig (typo)grafische Designkritik zu üben. Dies habe ich auf meinem Blog getan, der ausdrücklich meine persönliche Meinung wiedergibt und NICHT Bestandteil meiner kommerziellen Aktivitäten ist.
Gern bin ich bereit, mit Ihnen in sachlicher Form weiter zu kommunizieren, möchte Sie aber höflichst bitten, mir zumindest Ihren Namen zu nennen. Ich halte nicht viel von anonymer Post. Oder sollte ich Ihren Namen kennen und konnte nur den Indizien nicht folgen?
in der Hoffnung eine sachliche Antwort und mit besten Grüßen für ein gesegnetes Osterfest«
Anmerkung vom 8. April 2007 13:00
Der Ton wird freundlicher, aber es bleibt immer noch – bedauerlicherweise – anonym.
Vom: 8. April 2007 12:10:26 MESZ
E-Mail: dlarmy<et>web<punkt>de
Thema: Re: pseudo-publikationen und ihre folgen
Zitat: »guten tag,
selbst wenn ich dipl. grafiker wäre, würde ich kritik, auch von kollegen, immer als chance sehen, sofern die kritik dies hergibt.
es geht auch nicht darum, ob die kritik gerechtfertigt ist ( wobei ich davon sogar ausgehe…und dies sorgsam prüfe, und …als chance sehe etwas zu lernen),
nein es geht einfach darum, daß sie kein kritiker sind, sondern mitbewerber im werbemarkt.
somit ist ihrer publikation zweifelsfrei zu unterstellen, daß sie dieses werkzeug nutzen um konkurenten zu diskreditieren, da sie denken somit selbst bessere chancen zu haben.
sie hätten den urheber erroieren können und ihm die kritik selbst mitteilen können, ja sie hätten sogar den auftraggeber konfrontieren können, alles legitieme mittel des wettbewerbs.
aber sowie sie sicherlich sachlich fundiert hier ein werbelayout niedermachen, im gleichen rahmen verletzen sie vorsetzlich, und das ist der entscheidende unterschied die gesetze des wettbewerbs ( von anstand, größe, ehre und all den scheinbar nichts mehr zählenden tugenden eine ehrbaren geschäftsmannes mal abgesehen ).
benennen sie ihren weg, wie sie das wollen, sie haben sich freiwillig in ein spiel gebracht, das nun auch bis zum schluß gespielt wird.
d.d.«
Vom: 8. April 2007 13:18:58 MESZ
Von: Daniel Schmidt
Thema: Re: pseudo-publikationen und ihre folgen
Zitat: »Guten Tag,
ich freue mich, daß der Ton etwas freundlicher wird. Gleichzeitig fordere ich Sie dazu auf, endlich den Mut zu haben, Ihren Namen zu nennen.
Ich betrachte meinen Weblog auch nicht als Spiel, sondern als eine Möglichkeit, das mir zustehende Recht auf freie Meinungsäußerung zu wahren. Daß Designer über Design schreiben, ist weder wettbewerbswidrig noch illegitim – im Gegenteil, es ist Bestandteil einer Designkultur.
Da ich nach den letzten Zeilen vermute, daß Sie nicht vom Fach sind (und vielleicht doch nicht der Gestalter der Anzeige?), möchte ich zu Ihrer Info nur kurz darauf verweisen, daß es einige Internetseiten gibt, die Designkritik und -lob üben.
Wenn Sie schon einmal eine Fachtagung, z.B. das Forum Typografie oder die Typo Berlin, die Profile Intermedia in Bremen o.a., besucht hätten, dann wüßten Sie, das es absolut üblich ist, daß Designer in anständiger und sachlicher Form auch Kritik an Arbeiten anderer zu üben.
Kritiker im eigentlichen Sinne gibt es im Design, anders als in der Kunst, kaum. Die meisten Designkritiker sind selbst Designer – denn die verstehen einfach am meisten von ihrem Fach. Es ist – um ein Beispiel aus einem anderen Metier aufzuzeigen – auch nicht verboten, aaß sich Wim Wenders ev. über Filme von Tom Tykwer äußert, nur weil er auch Regisseur ist. Oder stellen Sie Sich vor: Politiker schreiben, reden und publizieren nicht mehr über ander Politiker – okay, eine ebenso hübsche wie unmögliche Vorstellung, muß ich zugeben.
Ganze traditionelle Designströmungen lieferten sich in den 20er Jahren öffentliche Auseinandersetzungen mit dem Bauhaus und 10 Jahre zuvor mit dem Deutschen Werkbund. Le Corbusier mußte sich 1927 von halb Stuttgart für seine Bauten am Weißenhof beschümpfen lassen und die Ulmer Schule in den Fünfzigern war Anlaß für Dispute bis in die Baden-Württembergische Landesregierung…
Ich sehe weder einen ehrenhaften, noch einen wettbewerbsrechtlichen Grund, als Designer nicht Designkritik an den Arbeiten anderer zu üben, sofern dies sachlich und ohne Niedertracht erfolgt. Ans niedermachen habe ich keinesfalls gedacht – wir haben Ostern, fest der Auferstehung (und am Freitag lief bereits Mel Gibsons martialischer Christusfilm 1 | 2 :-)
Ich wünsche daher sowohl frohe Ostern, als auch zu wissen, mit wem ich hier eigentlich disputiere.
Beste Grüße«