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iGitt!

Gestern hat Apple mal wieder die neuesten Kreationen auf die Öffentlichkeit losgelassen und das Präsentierte dürfte vielen Usern nicht gefallen haben. Gerade iOS zeigt deutlich, dass Apple mehr hinterher als vorneweg rennt.

Weg vom Skeuomorphismus – na endlich. Nur leider ersetzt bei Apple ein unsinniger Trend den nächsten. Der teletubbie-farbene faux-Minimalismus, gepaart mit psyeudo-3D-Effekthascherei und gerade mal wieder trendigen Hairline-Schriften ist auch nicht haltbarer als die Lederimitationen der vorangegangenen iOS-Versionen.

Hochauflösende Handy-Displays werden nicht genutzt, um die Lesbarkeit durch gute Screentypografie zu optimieren, sondern um darauf abgenuckelte Werbetrend-Typografie mit dürren Konturen, miesem Kontrast und häßlichen Binnenräumen zu drapieren.

Die ›Verschleuderung‹ der Farben für Effekthascherei verspielt die Chance, mit ihnen effektiv Kommunikation zu gestalten und Wichtiges leicht erfassbar und verständlich zu machen. Schön, dass Apple diesem Desaster mit viel Weiß entgegenwirkt – dumm nur, dass der Weiß-Hype schon längst kein Geheimtip mehr ist und Apple da eher hinterher als vorneweg rast. Auch für die Lesbarkeit bei Nacht wirft das spannende Fragen auf, denn ein gedimmtes Display sieht – auch beim iPhone – einfach nur mies aus und ohne radikales Dimmen ist im Dunkeln die Blendung moderner Displays inakzeptabel hoch.

Insgesamt ist das Gerät damit desintegrativ, weil es die Chancen der Technologie, es für breite Bevölkerungsschichten nutzbar zu machen reduziert statt erhöht – mieser UI-Kontrast, schreiende Farben, schlechte Bildschirm-Typo, hohe Blendung uvm. sind das Gegenteil von Universal-Design.

Das OS passt nun besser zum Gerät, sagt Apple und macht damit nicht nur die Hardware, sondern auch die Software zum Teil des künstlichen Verfalls. Was zählt sind billige Verführung und kurzlebige Geschmäcker. Nicht das Apple das nicht schon immer beherrscht hatte – aber der große Innovations- und Trendvorsprung früherer Apple-Geräte hat ihnen ein sehr langes Leben dank hohem ideellen und materiellen Restwert beschert und sie damit indirekt zu Nachhaltigkeits-Champions gekührt.

Nun ist die Vorreiterrolle offensichtlich weg, der Apfel längst angebissen. Marketing ersetzt Innovation und die zeitgemäßen Themen wie Inklusion und Nachhaltigkeit besetzen längst andere Unternehmen.

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