Tech Spotting

Navigon macht als erster aus dem iPhone das Nav-iPhone…

21. Juni 2009 von schmidt9

Endlich gibt es sie – die erste echte Navigationslösung fürs iPhone und zwar – anders als erwartet – von Navigon und nicht von TomTom. Obwohl die Niederländer laut eigenem Bekunden seit Einführung des iPhone 3G – dem ersten Modell mit eingebautem GPS – an einer Lösung für das iPhone arbeiten, war der deutsche Mitbewerber dann schneller – zumindest am Markt.

Seit dem 17. Juni 2009 gibt es die iPhone-Software der 3. Generation, die erstmals Turn-by-Turn-Navigationslösungen ermöglicht. Bereits kurz weinige Stunden darauf erschien zum Einführungspreis von knapp 75 Euro bei Navigon mit dem ›MobileNavigator‹ ein Zitat: »Navigationssystem der Extraklasse« und die Zitat: »die erste professionelle Navigationslösung für das iPhone«. Das ist ganz schön viel Eigenlob für eine Software, über die noch keine echten Erfahrungswerte vorliegen und die man – ohne 75 Euro zu investieren – auch nicht vorab testen kann. Die Feature-Liste liest sich dann auch ganz ordentlich (Quelle: Navigon-Webseite):

  • 2D und 3D Kartendarstellung
  • Verwendung im Hoch- und Querformat möglich
  • präzise Sprachansagen
  • Intelligente Adresseingabe
  • Reality View Pro (reale Darstellung von Autobahnkreuzen und Autobahnausfahrten)
  • Fahrspurassistent Pro
  • Reale Beschilderungsanzeige
  • Geschwindigkeitsassistent mit einstellbarer visueller und akustischer Warnung
  • Tag-/Nacht-Modus der Kartendarstellung
  • Direktzugriff und Navigation zu den im iPhone gespeicherten Kontaktadressen
  • Aktuellstes NAVTEQ Kartenmaterial mit mehr als zwei Millionen* enthaltenen Sonderzielen (POIs)
  • Automatische Weiterführung der Navigation nach einem eingehenden Telefonat
  • Schnellzugriff auf frei definierbare Sonderziele in der Umgebung und auf der Route
  • Nach-Hause-Funktion mit einem Tastendruck
  • Automatische Wahl der Sprache in Abhängigkeit von der im iPhone gewählten Sprache

Soweit zu den Fakten – aber: where is the Beaf?
Schauen wir uns zuerst die Feature-Liste an:

  • 2D und 3D Kartendarstellung
    -›So neu ist da nicht…
  • Verwendung im Hoch- und Querformat möglich
    -›Das darf man wohl ja wohl von den meisten Geräten erwarten und zählt den Grundprinzipien guter iPhone-Anwendungen
  • präzise Sprachansagen
    -›wie sollte ein Navi auch ohne diese funktionieren
  • Intelligente Adresseingabe
    -›hmm…
  • Reality View Pro (reale Darstellung von Autobahnkreuzen und Autobahnausfahrten)
    -›tatsächlich in der von Navigon geboten Qualität erwähnenswert – aber auch bei den Mitbewerbern zu haben
  • Fahrspurassistent Pro
    -›einen ordentlichen Fahrspurassistenten hat heute jedes Navi und auch wenn diese heute noch übersichtlicher sind – auch einige Jahre alte Lösungen sind bis heute praktikabel
  • Reale Beschilderungsanzeige
    -›ebenfalls inzwischen fast Standard, aber eigentlich kein Liebling von mir – Schilder ändern sich schneller als Navi-Karten, also liest man die besser selbst
  • Geschwindigkeitsassistent mit einstellbarer visueller und akustischer Warnung
    -›die Einstellung der Warnung ist sinnvoll, aber die Funktion ist ebenfalls bereits Standard
  • Tag-/Nacht-Modus der Kartendarstellung
    -›ein Feature, das Navis fast seit dem ersten Tag haben
  • Direktzugriff und Navigation zu den im iPhone gespeicherten Kontaktadressen
    -›das darf man wohl bei einer PDA-Navigation auch erwarten
  • Aktuellstes NAVTEQ Kartenmaterial mit mehr als zwei Millionen* enthaltenen Sonderzielen (POIs)
    -›das darf man dann doch erwarten
  • Automatische Weiterführung der Navigation nach einem eingehenden Telefonat
    -›ein Standard-Feature des iPhones – man kehrt nach einem Telefonat wieder zur ursprünglichen App zurück
  • Schnellzugriff auf frei definierbare Sonderziele in der Umgebung und auf der Route
    -›schön, aber auch nicht neu: POI in der Nähe des Standards finden
  • Nach-Hause-Funktion mit einem Tastendruck
    -›gähn…
  • Automatische Wahl der Sprache in Abhängigkeit von der im iPhone gewählten Sprache
    -›Eine Navi-Lösung in vielen Lokalisationen – das ist begrüßenswert

Was unterm Strich also bleibt sind ein Haufen Features, die man von anderen Geräten schon lange kennt und die eher zum Funktionsumfang eines Einstiegsnavis statt sie zur ›Extraklasse‹ zu zählen. Dem gegenüber steht der Einführungspreis (bis 30. Juni 2009) von 75 Euro der schon ziemlich nah an den Neupreis eines Einsteigernavis reicht – mit Hardware, versteht sich. Wenn der Einstandspreis sich nach der Einführung noch erhöht, dürfte der Preisvorteil bereits fast aufgehoben sein.
Interessanter ist ohnehin, was nicht auf der Liste steht:

  • City View3D
  • Panorama View3D
  • Landmark View3D
  • TMC Pro
  • TMC-Sprachansage
  • TMC-Routeninfo
  • Professionelle Sprachsteuerung
  • NAVIGON MyRoutes
  • Clever Parking
  • Text-to-Speech
  • Koordinaten-Eingabe
  • Einbindung des Navigon-Dienstes FreshMaps
  • Radar Info
  • etc.

Es sind eher die obigen, bei der iPhone-Software nicht genannten Funktionen, die die Geräte der 7er und 8er Serie von Navigon zu Geräten der ›Extraklasse‹ machen. Insbesondere die Sprachein- und -ausgabe sowie Stauumfahrung mittels TMC oder sogar TMC-Pro machen heute ein Spitzen-Navigationsgerät aus, denn sie verbessern Bedienung und Wegeführung erheblich.

Im Moment jedoch sieht es eher so aus, als ob Navigon mit einer abgespeckten Portierung seiner Windows-PDA-Software – die einige Funktionen mehr bietet als die aktuelle iPhone-Software – unbedingt der erste in diesem Segment sein wollte. Was mit vollem Mund proklamiert wurde, kann Navigon derzeit nicht halten – eher bekommt man für den Preis eines Einstiegsnavigations-Gerätes mit D-A-CH-Karten eine solide Navigationssoftware mit Europakarten und überschaubaren Funktionsumfang. Immerhin kündigt Navigon bereits weitere Funktionen in der Software-Info im App-Store an, die in kostenlosen Updates nachgereicht werden sollen – ein sicheres Zeichen dafür, daß die aktuelle Software-Version des MobileNavigator für das iPhone nicht das letzte Wort ist.
Somit leibt bei den Navigationslösungen auf dem iPhone noch Luft nach oben – für TomTom & Co. um es besser zu machen und für Navigon, um nachzulegen.

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