Nach dem Schicki-Micki-Desaster der letzten Woche scheint bei Apple endgültig der Beelzebub das Ruder übernommen zu haben. Nicht nur, daß die aktuelle Mitteilung an die Händler, daß fortan keine MacMini mehr geliefert würden, darauf schließen läßt, daß Apple den viel kopierten, aber wenig geliebten und lang nicht gepflegten preiswertesten Mac abserviert — nein, jetzt stellt sich auch noch heraus, daß Apple den gerade eingeführten DisplayPort-Anschluß der neuen MacBooks und MacBookPros kastriert hat.
Um alle Anschlüsse auf einer Seite der neuen Alu-Books unterzubringen mußte nicht nur der FireWire400-Port weichen (womit das MacBook gar kein FireWire mehr hat), auch den am Markt nagelneue und daher nur in homöopathischen Dosen existente DisplayPort – designierter Nachfolger von HDMI und DVI – wurde in der noch exotischeren – weil bisher keinem außer Apple bekannten – Mini-Version implementiert.
Tatsächlich gehen mit dieser Umstellung auch einige technische Vorteile einher, denn der inzwischen zu schmalbandige DVI-Port kann große Auflösungen nur als DualLink-Lösung ausgeben. Darüber hinaus bietet DisplayPort – wie auch schon von HDMI bekannt – sowohl HDCP Content-Verschlüsselung und die Übertragung von mehrkanaligem Digitalton an, ergänzt um einen schmalbandigen Rück-Kanal für Systemfunktionen. Ein Exot also, mag man meinen – aber mit Bedacht gewählt.
Dann hört es mit dem Denken bei Apple aber schon auf – denn sowohl die Unterstützung von HDCP für welche Medien auch immer ist ebenso unklar wie es offensichtlich klar ist, daß der DisplayPort kein integrierte Tonübertragung unterstützt. Damit sind die neuen Lifestyle-Produkte der ehemaligen Computermarke weder für Profis gut, noch taugen sie im heimischen Wohnzimmer als zeitgemäße Unterhaltungs-Universaltalente.
Dabei ist die zeitgleiche Übertragung der Ton- und Bilddaten in einem Kabel nicht nur eine Frage des Kabelsalats – und damit der Nutzerfreundlichkeit, der sich Apple ja verschrieben haben will – sondern auch der Synchronität von Ton und Bild sowie der Einfachheit der Bedienung. Wenn überhaupt ein Fernsehgerät oder Monitor mit HDMI- oder Display-Port-Anschluß es erlaubt, Ton- und Bildquelle getrennt zu wählen, dann ist dies immer wieder ein unnötiges Gehangel durch hinterste Menüebenen – also genau das Gegenteil von dem, was man im Umgang mit Apple-Produkten erwartet. Statt mit einem Kabel hantiert man in der Praxis wohl eher mit dreien – einem DVI->HDMI-Kabel, einem DisplayPort->DVI-Adapter und einem optischen TOS-Link-Kabel. Danach noch das Bild am Fernseher auf HDMI und den Ton auf optischen Eingang (sofern vorhanden) stellen. Hoffentlich klappt dann der HDMI-Handshake und die der vom Mac ausgegebene Audio-Stream ist nicht nur zweikanalig. Klingt kompliziert? Ist es auch. Wer beim Kauf eines halb so teuren Windows-Einsteiger-Laptops ein wenig auf die Ausstattung achtet hat die Aufgabe mit dem Anschluß eines einzigen Kabels erledigt. Über die Apple-untypische Frickel-Bastel-Adapter-Bastelei kann dann noch nicht mal die übersichtlich gestaltete und hübsch aufgemachte Apple DVD-Player-Software hinwegtrösten — zum Starten eines Films ertrage ich für die wenigen Sekunden auch die bräsige WinDVD-Oberfläche.
Wer jetzt noch gern beim Film-Schauen oder Musikhören spulen, springen oder pausieren möchte, der erledigt das am PC mit der selbst bei Aldi-Laptops häufig mitgelieferten Fernbedienung — am Mac könnte er das zwar mit der totschicken und intuitiven Apple Remote auch: nur ist diese seit einiger Zeit nicht mehr im Lieferumfang der ja ach so benutzerfreundlichen Laptops enthalten, sondern kostet stolze 19 Euro extra.
Und wo wir einmal beim Begriff ›Extra‹ sind — hier ein paar Aufpreise aus dem Apple-Store für die MacBooks bzw. MacBookPros:
- 2–>4GB RAM: 140 € (heute beim Händler bezahlt: 50 € – 12 € für die alten 2×1 GB)
- 250 GB 5400 upm –> 250 GB 7200 upm: 45 € (Differenz der Festplattenpreise ca. 13 €)
- 250 GB 5400 upm –> 320 GB 5400 upm: 90 € (Differenz der Plattenpreise ca. 13 €, Neupreis der 320er Toshiba-Platte ca. 67!!! €)
- 250 GB 5400 upm –> 320 GB 7200 upm: 135 € (Differenz der Plattenpreise ca. 20 €, Neupreis der 320er Seagate-Platte ca. 75!!! €)
Bei dieser Preisgestaltung beleidigt der Begriff ›Mondscheinpreis‹ weniger den ehemaligen Computerhersteller als vielmehr den Mond…
Update 081023:
Die Ticker und Blogs spekulieren heute schon wieder über ein Aufleben des MacMinis. Sicherlich stirbt die Hoffnung zuletzt, aber Apple hat auf seiner letzten Bilanz-PK einem 500$-Mac eine ziemlich derbe Absage erteilt und wider dem Markttrend erklärt, daß sie dieses Segment wohl beobachten, nicht aber bedienen mögen. Bleibt also abzuwarten, ob die aktuelle Abkündigung des Minis tatsächlich nur auf kommende aktualisierte Modelle zurückzuführen ist (der Mini war bisher architektonisch immer eher ein headless-iBook/MacBook) oder ob Apple die Marge in diesem Marktsegment einfach zu gering (und damit das Risiko von Verlusten zu hoch) ist.
Falls der Mini doch wieder kommt, dann aber wohl mit großer Sicherheit ohne FireWire – denn dieses ›Erbe‹ der aktuellen MacBooks würde er dann wohl auch übertragen bekommen.
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