Der Markt wirds schon richten oder hats gerichtet ist immer wieder zu hören, wenn es darum geht, die profi-untauglichen Entscheidungen der neuesten Apple-Laptops zu rechtfertigen. Ich frage mich, ob die marktradikalen die Zeichen der Zeit nicht verstanden haben, wo man doch gerade eben wieder mal gut sehen kann, was so ein freier Markt alles für Ergebnisse produziert…
Es gibt Märkte, die sind für andere Märkte die Voraussetzung. Die größtenteils professionell-kreative Kundschaft hat Apple Mitte der 90er nicht nur das Überleben gesichert (sich darauf zu berufen wäre aber nichts anderes als sentimental), sondern hat auch die Basis für das Andersdenken-Image geliefert, mit dem Jobs Ende der 90er dann anfing, Apple als Life Style-Marke einer breiten Zielgruppe zuzuführen.
Die Situation erinnert mich an die Künstler in New York, über die man sagt, daß sie die Viertel der Metropole zum Leben erwecken, die sie sich kurze Zeit danach genau deswegen nicht mehr leisten können.
Apple ignoriert im Moment massiv Kundenwünsche aus dem professionellen Lager, weil sie den Profit im umsatzträchtigen hochpreisigen Consumer-Segment entgegenstehen. Profis wollen funktionierende Macs, die das Auge nicht beleidigen, Amateure wollen feature-checkbare Lifestyle-Kisten, mit denen sie (bis der nächste was besseres hat) ihren virtuellen Penis verlängern können. Wer Computer wie das Pismo mit den aktuellen MacBookPro-Modellen im Kontext der Zeit vergleicht, in der sie jeweils erschienen sind weiß, was ich meine.
Es wäre für Apple (und in den Augen seiner Aktionäre) unverzeihlich, diese Clientel nicht zu bedienen — aber es ist genauso unklug, die Creative Pros nicht glücklich zu machen. Wenn Apple nämlich sein Creativ-Image verliert, ist die Coolness futsch und ein Mac ist nichts mehr als ein weiterer Exot auf dem riesigen IT-Markt. Nichts würde Apple – in allen Märkten – aber mehr schaden als der Abstieg ins Banale. Ein Rechner, der gleiche Funktionen für den doppelten Preis bietet wird ohne triftigen Grund keiner kaufen. Bisher war dieser Grund eine gute Bedienung dank einmaliger Nutzerfokusierung, inzwischen überholt durch das Image der Marke.
Wenn Apple nicht aufpaßt, wird der Rebell aus dem Silicon Valley am Ende zur sexy Schlampe, auf die jeder mal scharf war, mit ders jeder mal probiert hat, mit der aber niemand richtig zufrieden war und deren Chancen verflogen sind, wenn am nächsten Tag das Licht angeht.
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