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Tech Spotting

Gestern großer Consumer-Fasching aus Cupertino

15. Oktober 2008 von schmidt9

Mein Gott, Apple!

Die Verabschiedung der Pro-User kann man deutlicher kaum zelebrieren. Was Apple gestern geliefert hatte war eine sinnentleerte Reprise der Shows der letzten Jahre mit Produkten, bei denen einem als professionellen Nutzer das Schaudern übern Rücken läuft.

1. MBP
- Glossy! Wie konnte das passieren? Achja, das Backlight ist ja jetzt so schön hell, daß man die Reflexionen überstrahlen (und dem Nutzer die Augen ausbrennen) kann - und was passiert, wenn ich auf dem Laptop überprüfen möchte, ob in meinen im Feld aufgenommen Fotografien die Schatten noch Zeichnung haben - dann sehe ich den Himmel…
- 1x FW800: Was soll die spartanische Ausstattungen mit performanten Schnittstellen? Muß ich jetzt für die FW400-Geräte noch ein Kabel respektive einen Adapter mehr mtischleppen? Und warum gibts überhaupt nur noch einen FW-Anschluß?
- 2x USB: das grenzt an Lächerlichkeit! Eine Maus, einen iPod, dann habe ich keinen Port mehr frei - Kann nicht sein, oder? Läßt man Schnittstellen weg, um den Nutzern das Mitnehmen weiteren Zubehörs aufzudrücken?
- Display Port? Der Hang, neue Standards als erste zu implementieren ist ja nett - aber könnte man dabei den Kopf bitte einschalten? Noch ein Adapter mehr, weil man ja bisher am MBP wenigsten ein DVI-Gerät ohne Adaptierung anschließen konnte. Verschwunden ist aber - und das tut Filmemachern echt weh - die Ausgabemöglichkeit für analoges Video (S-VIdeo + Composite).
Außerdem gabs bisher wenigsten den VGA-Adapter dazu. Nun muß man 2! Adapter kaufen und mitnehmen, um bei den gängigen Monitoren Anschluß zu finden!
- Kein BD: Wo Apple beim Monitoranschluß vorprescht (Display-Port könnte DVI, HDMI mit HDCP und VGA transportieren, rennen sie beim Laufwerk hinterher. Von wegen, BD muß sich am Mart noch beweisen – es gibt ja keine Alternative (mehr).
- Jetzt bekommen die Profis die Amateurtastatur! Unglaublich, aber wahr - die unergonomischen, für Vielschreiber kaum nutzbare MacBook bzw. Alu-Tastatur wird den Profis untergeschoben: keine Tastenwölbung, keine Fingerführung, kein Druckpunkt, kaum Hub und auch von der Tastenzahl absolute Minimalausstattung.
- keine Aussage zum verwendeten Displaytyp: sprich: vermutlich wieder das blickwinkelabhängige, unprofilierbare 6-bit Display der letzten MBPs.
Fazit: ein teures Gadget, auf dem man beim Tippen, beim Bildschirm betrachten, beim Anschließen von Peripherie oder beim Versuch, HD-Medien abzuspielen den Kauf sehr schnell bereuen wird. Der Drang, alle Ports an der linken Seite unterzubringen, das Styling zu polieren und ein paar Gramm Gewichtsersparnis sind der Grund dafür, daß Profis mit dem ›Pro‹ keine wahre Freude mehr haben werden.

2. 24″ Cinema Display
- Glossy…
- keine Angabe zu Farbraum, Paneltyp etc. (wobei 14 ms und 178°/178° auf ein VA-Panel schließen lassen, vermutlich wie im iMac verbaut)
- 330 cd/qm: das ist bei der Einführung schon nicht mehr standesgemäß und sieht höchsten neben dem MBP gut aus. Aber dafür ists ja auch gemacht.
Fazit: für Amateure. Das Gadget zum Pro-Gadget.

3. MacBook
- kein Firewire mehr! Damit verliert das MBP jede Möglichkeit, mit schnellen Platten oder Kameras mit FW-Anschluß zu arbeiten. Dank mangelnder Aufrüstbarkeit ist man auf das auch nicht gerade taufrische USB 2 festgelegt.
- Mini-Displayport bedeutet schon wieder neue Adapter kaufen und rumtragen.
Fazit: Durch Gehäuse und neue Grafik profitiert vor allem das kleinste Modell - dafür muß man auf FireWire verzichten sowie schon wieder neue Display-Adapter kaufen.

Die Show gestern war die seit Jahren mit abstand frustrierendste, die Apple seine einstigen Stammkundschaft geboten hat. Apple für die Generation iPod/iPhone ist eine Gadget-fixierte Profiterwirtschaftungsmaschine geworden, für die das Geschäft mit den zahlungskräftigen Normalkunden inzwischen Oberhand über die Bedienung von professionellen Anwendern gewonnen hat. Noch nie hat sich das für den professionellen Apple-User so sehr gezeigt wie gestern.

Schade, denn nun bin auch ich soweit, daß ich mich ernsthaft nach Alternativen zum Mac umsehen werde. Ob das am Ende die Abkehr vom Mac bedeutet hängt nun nicht mehr von Apple ab, sondern davon, wie viel Abstriche ich noch bei Windows machen muß.

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