Seit der Vorstellung der neuen iMac-Modelle im August sind die Foren voll von Kritiken über die neue Tastatur und das spiegelnde Display, während gleichzeitig die hochwertige Anmutung und Verarbeitung die Fans begeistert. Profis empfinden das Glossy-Displays oft wegen der störenden Reflexionen als für den Dauereinsatz ungeeignet, ebenso wird die kurzhubige, Laptop-artige Kompakt-Tastatur von Vielschreibern kritisiert. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf Apples Edel-Consumergerät.
Die Glossy-Displays bei MacBook und iMac, die dem Nutzer einen höheren Bildkontrast und satteres Schwarz versprechen, aber auch Lichtquellen und helle Objekte im Raum reflektieren sorgen für kontroverse Diskussionen in der Mac-Szene. Oft spalten sich die Meinungen irgendwo zwischen Apple-Fanboy und Profi-Nutzer. Der eine findet es schick und kann damit leben, der andere will genau das nicht. Am Ende muß jeder für sich entscheiden, womit er leben kann. Immer wieder kommt in der Diskussion dann die Frage auf ›warum‹ Apple den vielen Profi-Nutzern, die bisher iMacs nutzen so etwas vor die Nase stellt.
Wer den neuen iMac schon einmal in einem Saturn-Markt oder eine Gravis-Filiale ›in echt‹ gesehen hat, ahnt eventuell, warum. Forenschreiber sind i.d.R. erfahrene Nutzer und fahren daher nicht auf die Spiegel-Displays ab (ich auch nicht) - steht jedoch ein iMac in einem Verkaufsraum, dann sieht die Kiste an- wie ausgeschaltet einfach super-gut aus. Da sich die Zielgruppe der Apple-Rechner inzwischen stark verändert hat, erfordert das auch veränderte Prioritäten bei der Gerätekonfiguration. Die Firma aus Cupertino verkauft den iMac inzwischen an sehr viele Consumer und ›Switcher‹ und damit ist zwei wesentliche Werte, die für viele Profis sekundär sind: Design und Lifestyle.
Ausgeschaltet ergibt die Scheibe mit dem Display dahinter eine homogene schwarze Fläche, die in dem sehr flachen Alu-Gehäuse – welches nun nochmals dünner als der letzte weiße iMac wirkt – wirklich äußerst edel anmutet. Bereits so ist der neue iMac ein Hingucker – schicker als die meisten Flachfernseher, flacher als die meisten TFTs, im Alltag kaum hörbar und trotzdem mit der Leistung eines vollwertigen Desktop-Rechners. Nicht selten fragen Gäste bei unseren 2 weißen iMacs (Intel 24″, G5 20″), wo denn jetzt bitte der eigentliche Rechner stehe.
Eingeschaltet ist der Alu-iMac für den Laien aber noch attraktiver. Während Profis keine Reflexionen wünschen, weil die auf Dauer den Betrachter ermüden und darüber hinaus auf eine lineare, verbindliche Farbwiedergabe wert legen (und dafür sogar Kontrast und Helligkeit des Display minimieren), liefert der iMac dem ›normalen‹ Nutzer ein extrem kontrastreiches Bild mit kräftigen Farben und sattem Schwarz. Eingeschaltet erscheint der Bildschirminhalt, als stünde er direkt auf der Scheibenoberfläche, die Plastizität und der Kontrast sind wirklich überzeugend – selbst maue Fotos oder kompressionsverhunzte DVDs sehen deutlich ›knackiger‹ aus.
Benutzt man den iMac, besonders den 24-Zöller, vor allem als Media-Center – wofür er dank FrontRow, AppleRemote und optionaler BlueTooth-Tastatur und Maus wirklich gut geeignet ist – dann macht er eine exzellente, edel anmutende Figur als Consumer-Gerät.
Genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Apple adressiert – wie auch an der Tastatur deutlich zu erkennen – mit dem iMac nun vor allem die Home-User. Diese stehen zur Zeit auf Hochglanz, wohin man auch schaut: spiegelnden Küchenoberflächen (auf denen man besser nie kochen oder etwas zubereiten sollte), lackierte Badzimmermöbeln (für die es optimal wäre, wenn sie nie einen Spritzer Wasser abbekämen), Klavierlack-Hifi-Komponenten (die man möglichst nur mit Baumwollhandschuhen bedient) u.v.m. liegen voll im Trend. Die Bedürfnisse der Nutzergruppen divergieren stark – und Apple hat sich für eine entschieden.
Die Ausrichtung der Neuen iMacs vor allem auf Consumer ist für mich genauso nachvollziehbar wie bedauerlich, da auch ich rein ausstattungstechnisch mit dem iMac mehr als zufrieden bin. Trotzdem ist der iMac für Profis ohne High-End-Ambitionen ein sehr interessantes Gerät. Die Lösung könnte von 3M kommen, die nachträglich aufziehbare, lang haftende, reflexionshemmende Schutzfolien anbieten. Damit dürfte das Glanzproblem vom Tisch sein. Darüber hinaus geht die Empfehlung aber auch eindeutig zugunsten des 24″-Modells, denn das 20″-Modell hinkt bei Blickwinkelneutralität und Helligkeitsverteilung seinem (weißen) Vorgänger deutlich hinterher, wogegen das 24″ nach ersten (subjektiven) Eindrücken in der Displayqualität konstant geblieben ist.
Wer mit der spiegelnde Displayoberfläche nicht leben kann, nvestiert entweder in einen Work-Around wie Entspiegelungsfolien oder gleich in einen Headless-Mac (wenns reicht, ein MacMini, sonst ein MacPro) mit ordentlichem Display.
Links
Kategorie Tech Spotting |