Als ich beim Stöbern im hiesigen Geiz-Markt auf die FinePix F480 von Fuji gestoßen bin, war die Überraschung groß – mit 28mm-Weitwinkel, Lion-Akku und gutem Handling für unter 180 Euro – das war einen Versuch wert. Zwar war die Kamera mit 179 Euro – wie so oft bei dieser Kette – ca. 10-15% teurer als bei Internet-Anbietern, aber immerhin schnürte mir der freundliche Fachverkäufer ein Paket mit einer guten Kameratasche und verringerte den Abstand zu den üblichen Internet-Händlern damit auf ein akzeptables Maß.

Fuji möchte es wissen
Langezeit hat Fuji mit der xD-Picture-Card einen kleinen, aber feinen Unterschied gepflegt. Sehr zum Verdruß vieler Nutzer sahen diese Karten zwar fast aus, wie die weitverbreiteten SD-Karten - liesen sich aber nur mit wenigen Kameras, vor allem von Fuji benutzen. Nachdem die Bridgekameras von Fuji schon mit einem Dual-Slot daherkamen (xD + CF), sind scheint nun auch bei den kompakten der Weg von Insellösungen zu gehen. In ein und den selben Schacht passen sowohl xD- als auch SD-Karten. Damit können bisherige Fuji-Nutzer ihre Karten weiter einsetzen, während Fuji-Neulinge auf die populäreren und preiswerteren SD-Karten zurückgreifen werden.
Auch an anderer Stelle geht Fuji auf den einfachen Nutzer zu – die Kamera erklärt sich sehr gut selbst (mehr dazu weiter unten), hat ein aufgeräumtes Menü und versucht bei der Bedienung keinen Alleingang, sondern orientiert sich im wesentlichen an inzwischen weitgehend üblichen Bedienkonzepten. So fällt Neulingen der Umstieg umso leichter.
Auch beim Zoombereich legt der grüne Riese aus Japan eins oben drauf: während die eigentlich einzige Ernst zu nehmende Weitwinkel-Pocket-Kamera – die FX30 von Panasonic – mit einem 3,6-fach Zoom von 28–102 mm aufwartet, bietet die F480 ein echtes 4x-Zoom von 28-112 mm. Damit erreicht sie zumindest fast den Telebereich, den übliche 3x-Zoom-Kameras bieten (38–114 od. 39–117mm) und bietet erweitert diesen nach unten zum klassischen 28 mm-Weitwinkel.
Zumindest formal gibt es auch einen Seitenhieb auf das renomierte O.I.S.-Bildstabilisierungsverfahren von Panasonic, allerdings konnte Fuji für einen Preis deutlich 100 Euro unter der FX30 hier nur per Software kontern. Solche Systeme sind nicht gänzlich wirkungslos, allerdings systembedingt nicht so effektiv wie solche mit optische. Ebenfalls für diesen Preis wohl nicht realisierbar war die Verwendung der als vergleichsweise rauscharm bekannten SuperCCD-Chips und eines schnellen Signalprozessors mit Gesichtserkennung. Die Kamera ist für den täglichen Einsatz annehmbar schnell, erfordert aber trotz im Test verwendeter Ultra-II-SD-Card ab und an ein wenig Geduld, wenn es um Bildrückschau, Zoomen oder Bild löschen geht. Damit ist sie in dieser Preisklasse keine Ausnahme. Ärgerlich dagegen ist die relativ hohe Sensorauflösung von 8,2 Megapixeln – dafür, daß weniger Pixel mehr Bildqualität liefern, liefert diese Kamera deutliche Indizien.
Handling
FujiFilm hat offensichtlich über ›Otto-Normalverbraucher‹ nachgedacht und seine Kamera mit gut lesbaren und selbsterklärenden Funktionsbeschreibungen auf dem Display versehen. Sowohl bei der Wahl der Motivprogramme, als auch beim Umstellen von Blitz, Makrofunktion und Selbstauslöser wird sehr groß und durch eine halbtransparent-weiße Hinterlegung ausreichend kontrastiert angezeigt, wie die aktuelle Einstellung gerade ist. Das ist vorbildlich und erspart Handbuch-Lesen und unsinnige Hilfetasten.
Gänzlich ungetrübt bleibt die Freude an der einfachen Benutzerführung dann doch nicht – auf der Suche nach einer manuellen ISO-Einstellung, der Belichtungskorrektur und den Weißabgleichs-Presets wird man erst nach längerer Suche fündig. Wählt man am Drehrad die Einstellung ›SP‹, entdeckt man im Menü den Einträg ›Motivwahl‹. Dahinter verbergen sich neben den fünf Motivprogrammen auf dem Funktionswählrad weitere zwölf Motivprogramm und die Einstellung ›manuell‹. Nur wenn diese gewählt ist, kann man ISO-Zahl, Belichtungskorrektur und Weißabgleich selbst steuern, wobei selbst dann für die Belichtungskorrektur der Gang ins Menü notwendig ist. Eine derartig starke Bevormundung des Nutzers (oder sollte man es Fujis Selbstvertrauen in die eigenen Automatikfunktionen zuschreiben) ist selbst bei Kameras für die Zielgruppe der ›planlosen‹ Amateure ungewöhnlich. Selbst meine V705 erlaubt eine Belichtungskorrektur (ohne Gang ins Menü) und Weißabgleich sowie ISO-Umstellung (über das Menü) in allen ›Lebenslagen‹.
Immerhin speichert die F480 die Motivprogrammwahl in ›SP‹, womit die erste Empfehlung dieses Kurztests lautet, unter ›SP‹ dauerhaft ›Manuell‹ vorzuwählen.
Bildqualität
Positiv fällt bei der Fuji die relativ zuverlässige Belichtungssteuerung auf – auch der Dynamikumfang ist in Ordnung. So werden dunkle Motive unabhängig von der ISO-Zahl gleich belichtet und zeigen ordentlich Detail auch in den Schatten. Aufnahmen bei hellem Licht wiederum behalten die Zeichnung in den Lichtern, ohne zu düster zu wirken. Selbst an einem grauen Tag mit geringem Kontrast und großer Grundhelligkeit erscheinen die Motive Plastisch und gut durchgezeichnet – in Lichtern wie in den Schatten. Gelungen ist Fuji auch die Mischlichtsteuerung, d.h. die Balance zwischen Blitzbelichtung und Umgebungslicht, die in Innenräumen für gut einen belichteten und scharfen Vordergrund und einen stimmungsvollen Hintergrund sorgt.
Außer in diesen zwei Disziplinen kann die Kamera jedoch kaum punkten. Da selbst bei ISO 100 ein deutliches Rauschen in den Mitteltönen wahrzunehmen ist, geht die Bildaufbereitung äußerst ruppig zu Werke – schon bei dieser (niedrigsten) Empfindlichkeit werden die meisten Details durch die Rauschunterdrückung ›plattgebügelt‹, während die Kanten ziemlich auffällig geschärft werden. Dieser Mix geht nicht auf, denn der Bildeindruck aus überzogener Kantenschärfung und massiver Rauschunterdrückung hinterläßt im Detail kein Bild mehr, sondern Brei mit Strichen. Dies ist umso unangenehmer, da sich die ISO-100-Fotos sich nur durch geringeres Rauschen, nicht aber durch höhere Schärfe von denen mit ISO 800 absetzen. Die Starke Kantenschärfen birgt noch einen weiteren Nachteil: sie verstärkt noch die deutlich sichtbaren blau-violetten Farbsäume, die an Grenzlinien zwischen hellen und dunklen Flächen ohnehin entstehen.
Auch nicht perfekt (allerdings damit in dieser Klasse keineswegs allein) ist der nicht immer zuverlässige Weißabgleich bei Kunstlicht. Gerade wenn keine großen weißen Flächen im Bild sind, tut sich die Kamera schwer, eine neutralweiße Fläche auch als solche darzustellen. Hinzu kommt noch, daß Fuji offensichtlich seiner aus Film-Zeiten bekannten, eher leicht grünstichigen Ästhetik treu bleibt, was zumindest gewöhnungsbedürftig ist, weil Motive meist etwas ›kühl‹ wirken. Hier wäre einiges zu retten, wenn der Nutzer die Möglichkeit hätte, unkompliziert manuell bei der Farbtemperatur gegenzusteuern.


Im Detail (1:1-Ausschnitt 100×100 Pixel) deutlich erkennbar, die rigorose Rauschunterdrückung läßt viele Details verschwinden. Die V705 von Kodak schlägt sich hier allerdings auch nicht viel besser. Ebenso erkennbar der deutliche blaue Farbsaum bei der Fuji mit ISO 100.


Auch in diesem Vergleich fallen die starken Farbsäume der F480 auf. Die nicht ganz so aggressive Rauschunterdrückung der V705 läßt mehr Rauschen – aber auch mehr Detail – übrig. Ebenfalls gut erkennbar, die saubere Belichtung mit dem relativ großen Dynamikumfang bei der Fuji, jedoch mit falschem Weißabgleich. Da die Kodak deutlich fehlbelichtete, wurden deren Bilder im Kontrastumfang angepaßt, ohne an Schärfe oder Farbigkeit etwas zu ändern. Dies hat dann auch das Rauschen der Kodak deutlicher zu Tage gefördert, deren Bilder trotz Belichtungskorrektur von +2 EV noch erheblich unterbelichtet waren.
Zur Qualität der Optik brauch man aufgrund der verarbeitungsbedingten Verluste kaum etwas sagen – vermutlich kommt auf dem Sensor mehr Bildinformation an, als dieser verarbeiten kann. Die blauen Säume – bereits im Weitwinkel – wurden bereits benannt und sind ein typisches Indiz für zu viele Pixel auf zu geringer Fläche. Gleichzeitig scheint der in dieser Kamera eingesetzte Chip zur Bildverarbeitung dieses – bei Kameras dieser Klasse häufig anzutreffende – Problem nicht in den Griff zu bekommen, was nach heutigem Stand der Technik möglich wäre.
Das Objektiv in Weitwinkelstellung verzeichnet erwartungsgemäß recht stark tonnenförmig und produziert zumindest bei Vordergrund-Objekten und geraden Architekturkanten außerhalb der Bildmitte deutliche ›Eier‹, während sich dieser Effekt in Richtung Tele erwartungsgemäß reduziert.
Wegen der schon ernüchternden Bildqualität habe ich mir Versuche mit niedrigerer Auflösung oder höherer Kompression erspart. Auch der Video-Modus (ein Feature, dem ich persönlich bei solchen Kameras ohnehin nicht viel abgewinnen kann) bleibt ungetestet, auch sind 320×240 Pixel nicht mehr auf der Höhe der Zeit.
Fazit
Wer für wenig Geld eine Kamera mit Weitwinkelzoom sucht, kommt an der F480 kaum vorbei. Wer sie allerdings als preiswerte Alternative zu deutlich teureren Kameras mit besserer Signalverarbeitung und ›echtem‹ Bildstabilisator sieht, wird enttäuscht sein. Die hohe Sensorauflösung auf dem 1/2,5″ CCD-Chip verursacht sichtbares Rauschen selbst in der niedrigsten ISO-Einstellung. Die indifferente Signalverabeitung generiert in den Flächen stark weichgezeichnete und an den Kanten übertrieben scharfgezeichnete Motive, die für nachfolgende Bildbearbeitung nicht mehr geeignet sind. Dem gegenüber steht erfreulicherweise ein guter Dynamikumfang und eine relativ zuverlässige Belichtungssteuerung.
Solide ist auch das Gehäuse mit einer Metall-Frontseite, stabilem Objektivtubus und über weite Strecken auch die selbsterklärende Benutzerführung. Den längeren Zoombereich am Tele-Ende hat sie direkten Mitbewerbern voraus. Gespart wurde dagegen neben dem ›elektronischen‹ Bildstabilisator (statt einem optischen) u.a. auch bei der Signalverarbeitung und der Motiverkennung, am Stativgewinde (aus Kunststoff) und der Movie-Funktion (QVGA).
Damit eignet sich die Kamera für preisorientierte Hobbynutzer. Als ›digitales Skizzenbuch‹ für ambitionierte Anwender ist sie jedoch kaum zu gebrauchen, weil die Bildverarbeitung einfach zu viele Details kostet. Wünschenswert wäre bei dieser Orientierung eine Kamera mit maximal 5–6 Megapixeln – davon hätte sowohl das Rauschverhalten als auch die etwas träge Signalverarbeitung profitiert.
pro
- 28 mm-Weitwinkel, bis 112 mm-Telebrennweite
- weitestgehend gutes Bedienkonzept
- ordentliche Verarbeitung
- gutes Display
- Lion-Akku mit Ladegerät
- verwendet xD- und SD-Karten
contra
- Rauschen schon bei ISO 100 sichtbar
- aggressive Bildaufbereitung
- kein echter Verwackelungsschutz
- umstänliche manuelle Belichtungskorrektur
- Kunststoff-Stativgewinde
P.S.: Ich werde meine F480 morgen wieder beim Geiz-Markt abgeben und als nächstes die TZ2 von Panasonic unter die Lupe nehmen – auch hier erwarte ich keine Sensationen, aber zumindest eine qualifizierte Bildverarbeitung, ›echte‹ Bildstabilisierung, weniger Megapixel und einen noch größeren Zoombereich bei minimal geringer Lichtstärke.
Links
Datenblatt FujiFilm FinePix F480 bei digitalkamera.de
Testbilder
Außenaufnahme FinePix F480 ISO 100
Außenaufnahme FinePix F480 ISO 200
Außenaufnahme FinePix F480 ISO 400
Außenaufnahme FinePix F480 ISO 800
Außenaufnahme Kodak V705 ISO 50
Außenaufnahme Kodak V705 ISO 1000
Innenaufnahme FinePix F480 ISO 100
Innenaufnahme FinePix F480 ISO 200
Innenaufnahme FinePix F480 ISO 400
Innenaufnahme FinePix F480 ISO 800
Innenaufnahme Kodak V705 ISO 50
Innenaufnahme Kodak V705 ISO 1000
Kategorie Tech Spotting |