…riefen wir zu unserer Zeit gern im Kindergarten, wenn sich mal wieder einer ganz und gar nicht in gemeinsame Spielpläne integrieren wollte. Gar nicht Kindergarten ist hingegen die Politik der digitalen Spaltung, die Microsoft in den letzten Jahren und Monaten verstärkt an den Tag legt. Offene Standards werden bewußt durch proprietäre Microsoft-eigene Formate ersetzt und selbst in Entwicklungsländern scheut man nicht davor zurück veraltete Software unter die Massen zu streuen, um die Märkte von morgen allein auf die Microsoft-Monokultur zu buchen. Nach dem Angriff auf das plattformübergreifende Flash-Format von Adobe mit ›Silverlight‹ und der Verteilung von billig-Software an Dritte-Welt-Länder treibt Microsoft schon wieder einen Keil durch die IT-Landschaft. Diesmal probiert sich Microsoft am wohl populärsten Austauschformat im Netz – der e-Mail!
Endlich hat es auch Apple geschafft – im der Mail-Version des kommenden Mac OS 10.5 (Leopard) wird es ein Äquivalent zu den Microsoft-Outlook(Express)-eigenen Briefpapiervorlagen geben. Sicher zur Freude der einen oder anderen Unternehmens-Kommunikationsabteilung, denn in einer Zeit, in der die e-Mail immer mehr auch an stelle der postalischen Korrespondenz tritt, bietet sich damit auch Apple-Nutzern die Möglichkeit, Firmenmails im einheitlichen Gewandt zu versenden. Nachdem bereits bei e-Mail-Newslettern die HTML-Form langsam salonfähig geworden ist, mit Hilfe von CSS die HTML-Mails auch vergleichsweise schlank durch die Leitung kommen und dank UTF-Encoding in modernen Betriebssystem die Sonderzeichenproblematik langsam vom Tisch zu sein scheint wäre es eigentlich Zeit gewesen, daß e-Mails aus ihrem tristen Text-only-Dasein hervortreten. Thunderbird, AppleMail, Outlook(Express) etc. – alle beherrschen durch Einbindung einer Web-Engine die halbwegs identische Darstellung von HTML-Mails mit zeitgemäßen CSS- und HTML-Standards.
Dann kam Office 2007. Um e-Mail noch näher an das marktbeherrschende Word-Format zu binden, entschloß sich Microsoft entgegen eigener vorheriger Praxis und ohne größere Vorankündigung, daß e-Mails in Outlook 2007 fortan nicht mehr durch die Internet-Explorer-Engine, sondern von der Word-Engine geparst werden. Damit macht Microsoft – angeblich aus Sicherheitsgründen – einen riesigen Salto rückwärts, denn auch die eigenen Briefvorlagen in Outlook basierten auf HTML. Während die HTML-Fähigkeiten des Internet Explorers sich mit jeder Version zumindest graduell ein wenig längst akzeptierten Standards nähern, kann man die HTML-Fähigkeiten von MS Word nur als ›berüchtigt‹ bezeichnen. Generationen von Internet-Explorer-Entwicklern müssen Jahre damit zugebracht haben, damit der HTML-Salat, den Word üblicherweise ausspuckt, zumindest vom eigenen Browser vernünftigt dargestellt wird – alle anderen (standardkonformen) Browser winken bei HTML aus MS Word nur noch mit der roten Fahne.
Nun also übernimmt in der wohl am weitesten verbreiteten Software für die Unternehmenskommunikation die Textverarbeitung die HTML-Darstellung. Das klingt absurd und ist es auch – oder würden Sie vielleicht einen Traktor auf die Viertelmeile schicken?
Microsoft schon – und so gehen lang gewohnte, elementarste HTML-Funktion für die Anzeige und Positionierung von Hintergrundbildern einfach so über den Jordan, wie der Blog worpspire berichtet.
Am Ende bleibt nur eine Empfehlung für den geneigten Leser: Ersetzen Sie ihre E-Mail-Software und ihren Internetbrowser durch standardkonforme und frei verfügbare Software – auch und gerade, wenn Sie Windows nutzen!
Links
- Mozilla Europa – kostenloser Download des Firefox-Webbrowsers und Thunderbird-Mailclients
- Opera – kostenloser, vielseitiger Internet-Browser und Mail-Client
- Apple – warum ein Mac?
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