Ab in die Verlängerung

Frau Wagner darf IHR Kunstfest fortführen. Das wird sie freuen, nicht wenige Weimarer – mich eingeschlossen – hätten sich vielleicht eine nicht ganz so einvernehmliche Lösung gewünscht. Denn so einvernehmlich wie die Verlängerung des Vertrages war das Ansehen des Kunstfestes in der Weimarer Bevölkerung nun wirklich nicht.

Sowohl Repertoire als auch Form der Veranstaltung hatten in der Stadt, die die Hülle für Nikes Wanderveranstaltung geben darf, nicht nur Freunde. Das mag nicht allein an der Qualität der Veranstaltung liegen, die – aus verschiedenen Perspektiven betrachtet – sicher auch sehr unterschiedlich wahrgenommen wird, sondern vor allem auch am der elitären Form, in der die Wagner-Nachfahrin ihre künstlerischen Segnungen dem hiesigen Publikum darreicht. Daher ist es auch unverständlich, warum die Vertragsverlängerung mit dem Weimarer Oberbürgermeister so unreflektiert von statten geht. Ihre Amtsvorgänger haben – zumindest mit der Zeit – auch den Weg zur Weimarer Bevölkerung gefunden. Eine Gunst, die viele Weimarer Frau Wagner versagen.

Wer sich mit Kommunikation beschäftigt, kennt das Phänomen – ein Corporate Image braucht nicht nur externe, sondern auch interne Kommunikation, sonst fehlt der Rückhalt auf eigenem Boden. Den wird Frau Wagner auch nicht bekommen, wenn sie weiterhin ihren gastgebenden Bürgern aus dem Wege geht und vielmehr an ihrer externen Reputation feilt. Mit Spannung darf man daher auf die Bilanz des diesjährigen Kunstfestes warten. Die reichlich gesponserte Millionenveranstaltung wird sicher wieder ein paar Tausend besetzte Sitze vorweisen können. Ein Schelm, der dann das Budget durch die Besucherzahl teilt und dies mit anderen Festivals vergleicht. Zweifel sind da nicht angebracht, denn die höheren Weihen des Wagnerischen Kulturdiktats sind nun mal nicht kostengünstig zu haben. Darüber sind sich Stadt und Frau Wagner so einig wie nie – aber ›wem’s nicht gefällt, kann ja zu Hause bleiben.‹

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.schmidt9-speaks.net/2006/08/16/also-ab-in-die-verlangerung/